Veröffentlicht am Januar 22, 2024

Entgegen der gängigen Meinung liegt der Schlüssel zu gesunder Winterhaut nicht in der Wahl zwischen Öl oder Creme, sondern im Verständnis ihrer molekularen Synergie.

  • Reines Öl auf trockener Haut verstärkt die Trockenheit, da es Feuchtigkeit blockiert, anstatt sie zu spenden.
  • Die richtige Reihenfolge – erst wässrige Feuchtigkeit (Gel/Serum), dann lipidhaltige Versiegelung (Öl/Creme) – ist entscheidend.

Empfehlung: Bauen Sie Ihre Pflegeroutine wie einen Schutzwall auf: Hydratisieren Sie zuerst gezielt und versiegeln Sie diese Feuchtigkeit anschließend mit einer an den Hauttyp und die Außentemperatur angepassten Lipidbarriere.

Der Winter in Deutschland ist eine besondere Herausforderung für unsere Haut. Sobald die Temperaturen fallen und die Heizungen aufgedreht werden, beginnt für viele ein vertrauter Kampf: Die Haut spannt, wird rau und schuppig. Intuitiv greifen viele zu reichhaltigen Cremes oder reinen Gesichtsölen in der Hoffnung, Linderung zu finden. Die Regale der Drogerien sind voll von Produkten, die sofortige Rettung versprechen, und die Debatte „Öl oder Creme?“ wird in jedem Beauty-Forum geführt. Oft lautet der Rat, einfach auf „reichhaltiger“ umzusteigen, ohne zu erklären, was das chemisch bedeutet.

Doch was, wenn ich Ihnen als Formulierungs-Chemikerin sage, dass diese Debatte am Kern des Problems vorbeigeht? Was, wenn pures Öl Ihre Haut unter bestimmten Umständen sogar noch mehr austrocknen kann? Die wahre Kunst einer widerstandsfähigen Winterhaut liegt nicht in der Wahl eines einzelnen Produkts, sondern im Verständnis des fundamentalen Prinzips des Hydrolipidfilms unserer Haut. Es geht um die intelligente Kombination von Wasser und Fett, um Hydratation und Okklusion.

Die landläufige Meinung konzentriert sich auf Produkte, aber die Wissenschaft konzentriert sich auf Prozesse. Die entscheidende Frage ist nicht, *was* Sie verwenden, sondern *wie* und *wann*. Statt also nach dem einen Wundermittel zu suchen, müssen wir lernen, wie ein Chemiker zu denken und unserer Haut genau die Bausteine in der richtigen Reihenfolge zu geben, die sie benötigt, um eine biomimetische Barriere gegen Kälte und trockene Heizungsluft zu errichten. Dieser Artikel wird Sie durch die molekularen Mechanismen führen. Wir werden verstehen, warum die Reihenfolge der Produkte entscheidend ist, wie man INCI-Listen entschlüsselt, um die wahre Natur einer Creme zu erkennen, und wie man eine maßgeschneiderte Routine aufbaut, die Ihre Haut nicht nur pflegt, sondern sie widerstandsfähig und gesund durch den deutschen Winter bringt.

In den folgenden Abschnitten finden Sie eine detaillierte Aufschlüsselung der wissenschaftlichen Grundlagen und praktischen Schritte, um Ihre Hautpflege für den Winter zu optimieren. Der Leitfaden hilft Ihnen, die richtigen Entscheidungen für Ihre Haut zu treffen.

Warum trocknet pures Öl die Haut aus, wenn keine Feuchtigkeit darunter ist?

Dies ist eines der größten Paradoxa in der Hautpflege und der Schlüssel zum Verständnis einer gesunden Hautbarriere. Viele Menschen mit trockener Haut greifen instinktiv zu reinem Gesichtsöl und sind dann frustriert, wenn ihre Haut nach einiger Zeit noch trockener und gespannter wirkt. Der Grund liegt in der fundamentalen Funktion von Öl in der Hautpflege: Öle sind primär okklusiv, nicht hydratisierend. Das bedeutet, sie spenden selbst keine Feuchtigkeit (Wasser), sondern bilden einen Film auf der Haut, der verhindert, dass vorhandene Feuchtigkeit verdunstet.

Dieser Prozess wird wissenschaftlich als Reduzierung des transepidermalen Wasserverlusts (TEWL) bezeichnet. Wenn Sie jedoch Öl auf eine bereits feuchtigkeitsarme, trockene Haut auftragen, versiegeln Sie quasi die Wüste. Es ist keine Feuchtigkeit vorhanden, die im Inneren gehalten werden könnte. Schlimmer noch: Das Öl kann der Haut signalisieren, dass genügend Lipide vorhanden sind, was die hauteigene Talgproduktion weiter drosseln kann. Das Ergebnis ist ein Teufelskreis aus Trockenheit. Eine Studie der Charité Berlin zeigt, dass der normale TEWL, also der Wasserverlust der Haut, erheblich schwanken kann; die Werte reichen von 2,3 bis 44,0 g/m²/h. Ein reines Öl kann diesen Wert nur dann positiv beeinflussen, wenn die Haut darunter ausreichend mit Wasser versorgt ist.

Praxiserfahrung aus dem Dermatologikum Hamburg

Das Dermatologikum Hamburg bestätigt dieses Phänomen aus der täglichen Praxis. Sie stellten fest, dass Patienten, die im Winter ausschließlich Öle zur Pflege verwendeten, paradoxerweise eine trockenere Haut entwickelten. Ihre erfolgreiche Lösungsstrategie: Zuerst wird die Haut mit feuchtigkeitsspendenden Wirkstoffen wie Seren mit Urea hydratisiert. Erst im zweiten Schritt wird diese Feuchtigkeit mit einem passenden Öl oder einer reichhaltigen Creme „versiegelt“.

Die korrekte Anwendung lautet daher immer: Feuchtigkeit zuerst, Öl danach. Tragen Sie Ihr Gesichtsöl immer auf die noch leicht feuchte Haut auf, zum Beispiel nach dem Auftragen eines Hyaluronserums oder nach dem Besprühen mit einem Gesichtswasser (Toner). So kann das Öl seine Stärke voll ausspielen und die wertvolle Feuchtigkeit effektiv in der Haut einschließen.

Wie kombiniert man Öl und Gel, ohne dass die T-Zone glänzt?

Die Kombination von öligen und trockenen Partien im Gesicht, bekannt als Mischhaut, stellt eine besondere Herausforderung dar – insbesondere im Winter. Während die Wangen spannen und nach reichhaltiger Pflege verlangen, neigt die T-Zone (Stirn, Nase, Kinn) schnell zu unerwünschtem Glanz. Die Lösung liegt nicht darin, ein Produkt für das ganze Gesicht zu finden, sondern in einer differenzierten Zonen-Pflege, die auf die spezifischen Bedürfnisse jeder Partie eingeht.

Der Schlüssel ist die Auswahl der richtigen Lipide. Für die ölige T-Zone eignen sich besonders leichte, nicht-komedogene Öle, die in ihrer Struktur dem menschlichen Sebum ähneln. Dazu gehören Jojobaöl oder Squalan. Diese Öle ziehen schnell ein und können der Haut signalisieren, die eigene Talgproduktion zu regulieren. Für die trockenen Wangen hingegen sind reichhaltigere Öle mit einem höheren Anteil an pflegenden Fettsäuren wie Öl- oder Linolsäure ideal. Arganöl oder Hagebuttenkernöl sind hier eine ausgezeichnete Wahl. Tragen Sie auf die T-Zone nur einen einzigen Tropfen eines leichten Öls auf, vorzugsweise nur abends, während die Wangen morgens und abends mit 2-3 Tropfen eines reichhaltigeren Öls gepflegt werden können.

Wie die Experten von Koko & Clay Skincare in ihrem Face Oil Guide erklären, steckt dahinter ein einfacher Mechanismus:

Das Gesichtsöl gibt deiner Haut ein Signal, dass sie selbst weniger Öl produzieren muss. Die überschüssige Talg-Produktion wird eingestellt.

– Koko & Clay Skincare, Face Oil Guide

Die folgende Tabelle gibt eine praktische Übersicht zur gezielten Anwendung von Ölen auf verschiedenen Gesichtszonen, um eine ausbalancierte Pflege ohne Glanz zu erreichen.

Öle für verschiedene Hautzonen
Hautzone Empfohlenes Öl Fettsäure-Profil Anwendung
T-Zone (ölig) Jojobaöl, Squalan Reich an Wachsestern Maximal 1 Tropfen, nur abends
Wangen (trocken) Arganöl, Hagebutte Reich an Ölsäure 2-3 Tropfen, morgens und abends
Augenbereich Mandelöl Ausgewogen 1 Tropfen sanft einklopfen

Kokosöl oder Jojobaöl: Welches Fett verstopft Ihre Poren garantiert nicht?

Die Frage nach der Komedogenität – also der Eigenschaft eines Stoffes, die Poren zu verstopfen und Unreinheiten zu fördern – ist bei der Auswahl eines Gesichtsöls zentral. Insbesondere Kokosöl, obwohl für seine pflegenden Eigenschaften bekannt, ist für viele Hauttypen im Gesicht problematisch. Mit einem hohen Komedogenitätsgrad (4 auf einer Skala von 0-5) kann es bei zu Akne neigender oder Mischhaut schnell zu Mitessern und Pickeln führen. Seine Molekülstruktur ist relativ groß und bildet einen schweren, okklusiven Film, der Talg und abgestorbene Hautzellen einschließen kann.

Im direkten Gegensatz dazu steht Jojobaöl. Aus chemischer Sicht ist Jojobaöl gar kein echtes Öl (Triglycerid), sondern ein flüssiges Wachsester. Diese Struktur ist dem menschlichen Sebum, dem natürlichen Hauttalg, erstaunlich ähnlich. Diese Ähnlichkeit ist der Grund für seine herausragende Verträglichkeit und seine sebumregulierenden Eigenschaften. Die Haut „erkennt“ Jojobaöl quasi als körpereigen, wodurch es optimal aufgenommen wird, ohne die Poren zu verstopfen. Sein Komedogenitätsgrad liegt bei 2, was es für die meisten Hauttypen, auch für ölige und unreine Haut, sicher macht.

Makroaufnahme von goldenen Jojobaöl-Tropfen neben weißem Kokosöl auf Hautoberfläche

Die visuelle Darstellung der unterschiedlichen Texturen verdeutlicht den Unterschied: Während Kokosöl oft fest ist und einen dicken Film bildet, ist Jojobaöl flüssig und verschmilzt förmlich mit der Haut. Dieser biomimetische Charakter macht es zur idealen Wahl für die Gesichtspflege, da es die Hautbarriere unterstützt, ohne sie zu belasten.

Studie zur Sebum-Regulation durch Jojobaöl

Die deutsche Naturkosmetikmarke Jean&Len dokumentierte in einer achtwöchigen Anwendungsstudie mit 50 Probanden mit Mischhaut die Wirkung von Jojobaöl. Das Ergebnis war beeindruckend: Bei 80 % der Teilnehmer reduzierte sich die Talgproduktion messbar. Der Grund liegt in der einzigartigen Wachsester-Struktur, die der Haut signalisiert, die eigene Fettproduktion zu drosseln und so für ein ausgeglichenes Hautbild sorgt.

Woran erkennen Sie an der INCI-Liste, ob eine Creme eher Wasser oder Fett liefert?

Als Formulierungs-Chemikerin ist die INCI-Liste (Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe) mein wichtigstes Werkzeug. Für Sie als Verbraucher ist sie der Schlüssel, um Marketingversprechen zu durchschauen und die wahre Natur eines Produkts zu verstehen. Die Reihenfolge der Inhaltsstoffe ist dabei entscheidend, denn sie sind nach ihrer Konzentration in absteigender Reihenfolge aufgelistet. Das, was an erster Stelle steht, ist am meisten enthalten.

Um zu bestimmen, ob eine Creme primär Feuchtigkeit (Wasser) oder Lipide (Fett) liefert, konzentrieren wir uns auf die ersten paar Inhaltsstoffe. Man unterscheidet grundsätzlich zwei Emulsionstypen:

  • Öl-in-Wasser-Emulsionen (O/W): Hier steht „Aqua“ (Wasser) an erster Stelle. Darauf folgen typischerweise Feuchthaltemittel wie Glycerin, Propylene Glycol oder Hyaluronsäure. Diese Cremes fühlen sich leicht an, ziehen schnell ein und spenden primär Feuchtigkeit. Sie sind ideal für normale bis ölige Haut oder als Tagespflege.
  • Wasser-in-Öl-Emulsionen (W/O): Bei diesen reichhaltigeren Cremes können Öle (z.B. Prunus Amygdalus Dulcis Oil), Fette (z.B. Caprylic/Capric Triglyceride) oder Wachse (z.B. Cera Alba) ganz vorne in der Liste stehen, oft noch vor „Aqua“. Man erkennt sie auch an Emulgatoren wie Sorbitan Oleate oder Polyglyceryl-Oleate. Sie bilden einen schützenden, langanhaltenden Film und sind perfekt für trockene Haut und als Kälteschutz im Winter.

Der deutsche Hautpflegemarkt ist riesig und unübersichtlich; laut aktuellen Daten wird der deutsche Hautpflegemarkt 2024 ein Volumen von 5,36 Milliarden Euro erreichen. Umso wichtiger ist es, sich nicht von schönen Verpackungen, sondern von Fakten leiten zu lassen. Die INCI-Liste ist Ihr verlässlichster Ratgeber.

Ihr Plan als INCI-Detektiv: Schnellanleitung

  1. Position 1-3 prüfen: Steht „Aqua“ an erster Stelle? Dann ist die Basis der Creme Wasser. Stehen Öle, Fette oder Wachse vorne, ist sie lipidbasiert.
  2. Feuchtigkeitsspender identifizieren: Folgen nach „Aqua“ direkt Stoffe wie Glycerin, Hyaluronic Acid, Urea oder Sodium PCA? Dies deutet auf eine feuchtigkeitsspendende O/W-Emulsion hin.
  3. Lipidspender identifizieren: Finden Sie weit oben in der Liste Inhaltsstoffe wie Butyrospermum Parkii (Shea) Butter, diverse Öle (z.B. … Oil) oder Fettalkohole wie Cetearyl Alcohol? Das ist ein klares Zeichen für eine reichhaltige W/O-Creme.
  4. Emulgatoren als Hinweis nutzen: PEG-Verbindungen (z.B. PEG-100 Stearate) deuten oft auf leichtere O/W-Emulsionen hin, während Stoffe wie Sorbitan Oleate typisch für W/O-Formulierungen sind.
  5. Faustregel anwenden: Je weiter hinten „Aqua“ in der Liste steht oder wenn es ganz fehlt (wie bei einem Balsam), desto fettreicher und schützender ist die Formulierung.

Warum ist ein Gesichtsöl als letzter Schritt der „Versiegelung“ über Nacht sinnvoll?

Die Nacht ist die wichtigste Regenerationsphase für unsere Haut. Während wir schlafen, laufen die zellulären Reparatur- und Erneuerungsprozesse auf Hochtouren. Gleichzeitig ist die Hautbarriere in dieser Phase durchlässiger, was zu einem erhöhten transepidermalen Wasserverlust (TEWL) führt. Insbesondere im Winter, wenn die trockene Heizungsluft in unseren Schlafzimmern der Haut zusätzlich Feuchtigkeit entzieht, ist dieser Effekt besonders ausgeprägt. Genau hier entfaltet ein Gesichtsöl als letzter Schritt der Abendroutine seine maximale Wirkung.

Wenn Sie ein Öl als finalen Schritt über Ihre Nachtcreme oder Ihr Feuchtigkeitsserum auftragen, fungiert es als eine Art Schutzschild oder „atmungsaktives Pflaster“. Es bildet eine semi-okklusive Schicht, die zwei entscheidende Vorteile hat:

  1. Es schließt die Feuchtigkeit ein: Das Öl minimiert den nächtlichen Wasserverlust drastisch und sorgt dafür, dass die zuvor aufgetragenen wässrigen Produkte (Seren, Cremes) ihre Wirkung in der Haut voll entfalten können.
  2. Es schließt die Wirkstoffe ein: Der okklusive Film kann die Penetration und Wirksamkeit der aktiven Inhaltsstoffe Ihrer Nachtpflege verbessern, da deren Verdunstung an der Oberfläche verhindert wird.

Die Forschung von Dr. Hauschka fasst diesen Mechanismus treffend zusammen:

Nachts ist die Zellreparatur auf ihrem Höhepunkt und der transepidermale Wasserverlust am stärksten. Das Öl agiert genau dann als schützendes ‚Pflaster‘.

– Dr. Hauschka Forschung, Gesichtsöl-Studie

Eine in Deutschland durchgeführte Anwendungsstudie untermauert dies mit konkreten Zahlen. Lavera testete den Effekt bei Probanden in München während der Heizperiode. Das Ergebnis zeigte, dass die Gruppe, die zusätzlich zur Nachtcreme ein Öl als letzten Schritt verwendete, nach vier Wochen eine um 35 % geringere TEWL-Rate und eine sichtbar prallere Haut am Morgen aufwies. Dies beweist, wie effektiv die nächtliche Öl-Versiegelung speziell im Kontext deutscher Winterbedingungen ist.

Warum führt die Nutzung von Feuchtigkeitsgel bei Minusgraden zu Kälteschäden auf der Haut?

Leichte Feuchtigkeitsgele sind im Sommer eine Wohltat. Sie bestehen zu einem sehr hohen Anteil aus Wasser und spenden erfrischende Hydratation, ohne einen schweren Film zu hinterlassen. Im Winter jedoch, insbesondere bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, kann genau diese Eigenschaft zu einem ernsthaften Problem werden. Die Anwendung eines stark wasserhaltigen Gels kurz bevor man in die Kälte geht, ist vergleichbar mit dem Verlassen des Hauses mit nasser Haut.

Wasser hat einen Gefrierpunkt von 0 °C. Die feine Wasserschicht, die ein Gel auf der Haut hinterlässt, kann bei Minusgraden auf der Hautoberfläche gefrieren. Dabei bilden sich winzige Eiskristalle, die die oberste Hautschicht, die Epidermis, schädigen können. Dies führt nicht nur zu einem extrem unangenehmen Gefühl und Spannungen, sondern kann auch zu sogenannten Kälteschäden führen. Diese äußern sich in Form von starker Rötung, Reizung, Trockenheit und im schlimmsten Fall sogar zu einer Art „Gefrierbrand“ an exponierten Stellen wie Wangen oder Nase. Die Hautbarriere wird dadurch massiv geschwächt und anfälliger für weitere Schäden.

Es ist daher ein entscheidender Grundsatz der Winterpflege, bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt von 0 °C auf Produkte mit hohem Wassergehalt zu verzichten, zumindest unmittelbar vor dem Aufenthalt im Freien. Das bedeutet nicht, dass Sie komplett auf Ihre geliebten Hyalurongele verzichten müssen. Die richtige Anwendung ist der Schlüssel:

Checkliste: Sichere Gel-Anwendung im Winter

  1. Wartezeit einhalten: Tragen Sie wasserbasierte Produkte wie Gels oder Seren immer mindestens 30 Minuten vor dem Verlassen des Hauses auf, damit das Wasser vollständig in die Haut einziehen oder verdunsten kann.
  2. Nur drinnen anwenden: Nutzen Sie leichte Gele als Teil Ihrer Abendroutine oder tagsüber, wenn Sie sich ausschließlich in beheizten Räumen aufhalten.
  3. Auf wasserfrei umsteigen: Bei Temperaturen unter -5 °C und längerem Aufenthalt im Freien (z.B. beim Wintersport) sind wasserfreie Produkte wie Balsame (Balms) oder klassische Cold Creams (Wasser-in-Öl-Emulsionen) die sicherere Wahl.
  4. Wintersport-Schutz: Für extreme Bedingungen eignen sich Produkte auf Basis von Vaseline oder reichhaltigen Buttern, die eine komplette Schutzbarriere bilden.
  5. Langsames Aufwärmen: Wärmen Sie die Haut nach einem Aufenthalt in der Kälte langsam wieder auf und vermeiden Sie abrupte Temperaturwechsel, um die Kapillaren nicht zu überlasten.

Warum saugt Ihr Haar Wasser auf wie ein Schwamm und verliert es sofort wieder?

Dieses frustrierende Phänomen, bekannt als „hygrale Ermüdung“, ist ein klares Zeichen für hochporöses Haar. Man kann sich die äußere Schicht des Haares, die Schuppenschicht (Cuticula), wie Dachziegel vorstellen. Bei gesundem, niedrigporösem Haar liegen diese Ziegel flach an, bilden eine glatte Oberfläche und schützen das Haarinnere. Bei hochporösem Haar stehen diese Ziegel ab oder sind lückenhaft. Dadurch kann Wasser (z.B. beim Waschen) ungehindert eindringen, das Haar quillt auf wie ein Schwamm. Genauso schnell kann diese Feuchtigkeit aber auch wieder entweichen, sobald das Haar trocknet. Das Resultat: Das Haar fühlt sich schnell wieder trocken und spröde an, neigt zu Frizz und Haarbruch.

Die Ursachen für hohe Porosität sind vielfältig: genetische Veranlagung, aber auch Schäden durch chemische Behandlungen, Hitze oder Umwelteinflüsse. Ein oft unterschätzter Faktor in Deutschland ist die Wasserhärte. Hartes, kalkhaltiges Wasser enthält viele Mineralien (Magnesium, Kalzium), die sich am Haar ablagern, die Schuppenschicht aufrauen und so die Porosität künstlich erhöhen. Das Haar wird stumpf und lässt sich schwer kämmen.

Weitwinkelaufnahme von nassem Haar in deutschem Badezimmer mit sichtbaren Wassertropfen

Die Lösung für dieses Problem folgt demselben Prinzip wie bei der Hautpflege: Versiegelung. Nachdem dem Haar Feuchtigkeit zugeführt wurde (z.B. durch eine Spülung oder Kur), muss die Schuppenschicht wieder geschlossen werden, um die Feuchtigkeit im Inneren zu halten.

Alcina-Studie: Wasserhärte und Haarporosität in deutschen Städten

Eine Untersuchung von Alcina in deutschen Großstädten wie Berlin und München, die für ihr besonders hartes Wasser (über 14°dH) bekannt sind, lieferte klare Ergebnisse. Bei 70 % der Testpersonen wurde eine künstlich erhöhte Haarporosität festgestellt. Die effektivste Gegenmaßnahme war die Kombination zweier Methoden: Die Installation eines Duschfilters reduzierte die Porosität bereits um 40 %. Eine anschließende „saure Rinse“ (ein Esslöffel Apfelessig auf einen Liter kaltes Wasser) als letzter Spülgang nach der Wäsche half zusätzlich, die Schuppenschicht zu glätten und zu versiegeln, was dem Haar Glanz und Geschmeidigkeit zurückgab.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Geheimnis liegt in der Reihenfolge: Immer erst wässrige Feuchtigkeit (Serum/Gel), dann die lipidhaltige Versiegelung (Öl/Creme).
  • Die INCI-Liste ist entscheidend: „Aqua“ vorne bedeutet Feuchtigkeitscreme (O/W), Öle/Fette vorne bedeuten Schutzcreme (W/O).
  • Jojobaöl ist aufgrund seiner sebumähnlichen Wachsester-Struktur die überlegene Wahl für die meisten Gesichtshauttypen im Vergleich zu komedogenem Kokosöl.

Wie muss sich Ihre Pflegeroutine ändern, wenn die Temperaturen unter 5 Grad fallen?

Wenn das Thermometer unter die 5-Grad-Marke fällt, schalten unsere Talgdrüsen ihre Produktion deutlich zurück. Die Haut produziert weniger von ihrem natürlichen Schutzfilm, dem Hydrolipidfilm, und wird dadurch anfälliger für Trockenheit und Reizungen. Eine starre Pflegeroutine, die das ganze Jahr über gleich bleibt, kann diesen veränderten Bedürfnissen nicht gerecht werden. Eine dynamische, an die Temperatur angepasste Strategie ist unerlässlich. Tatsächlich haben laut einer aktuellen Umfrage 17,19 Millionen Menschen in Deutschland besonderes Interesse an spezieller Hautpflege, was die Relevanz einer saisonalen Anpassung unterstreicht.

Die wichtigste Veränderung ist der Wechsel von leichten Öl-in-Wasser (O/W) Emulsionen zu reichhaltigeren und schützenderen Wasser-in-Öl (W/O) Emulsionen oder sogar wasserfreien Balsamen, insbesondere für die Tagespflege. Während eine O/W-Creme primär Feuchtigkeit spendet, die bei Kälte schnell verdunsten kann, legt eine W/O-Creme einen schützenden Lipidfilm auf die Haut, der wie ein Wintermantel wirkt. Er schützt vor Kälte und Wind und verhindert gleichzeitig den Feuchtigkeitsverlust von innen.

Abends kann die Routine intensiver ausfallen. Nach der Reinigung und einem Feuchtigkeitsserum kann eine reichhaltige Nachtcreme aufgetragen werden, die durch einige Tropfen Gesichtsöl als letzter Schritt versiegelt wird. Dies unterstützt die nächtliche Regeneration optimal. Das folgende Temperatur-Protokoll, basierend auf Empfehlungen von Hautpflegeexperten wie Eucerin, bietet eine einfache, aber effektive Anleitung zur Anpassung Ihrer Routine.

Die folgende Tabelle fasst zusammen, wie Sie Ihre Pflegeroutine schrittweise an die sinkenden Temperaturen anpassen können, um Ihre Haut optimal zu schützen und zu pflegen.

Temperatur-Protokoll für die Hautpflege
Temperatur Morgens Abends Zusätzlich
Über 5°C Leichte O/W-Emulsion Feuchtigkeitscreme UV-Schutz LSF 30
0°C bis 5°C Reichhaltige O/W-Creme W/O-Creme + Öl Lippenpflege mit LSF
Unter 0°C W/O-Creme oder Cold Cream Wasserfreier Balsam 30 Min Wartezeit vor dem Rausgehen

Eine an die Jahreszeit angepasste Routine ist der professionelle Ansatz für eine gesunde Haut. Die in diesem finalen Abschnitt zusammengefassten Schritte bieten eine klare und umsetzbare Strategie.

Nachdem Sie nun die chemischen Grundlagen und praktischen Anwendungstipps verstanden haben, ist der nächste Schritt, Ihre eigenen Produkte einer kritischen Analyse zu unterziehen und Ihre Pflegeroutine bewusst und gezielt auf die Bedürfnisse Ihrer Haut im Winter abzustimmen. Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Hautbarriere strategisch aufzubauen.

Geschrieben von Julia Dr. Kranz, Fachärztin für Dermatologie mit Schwerpunkt auf medizinischer Ästhetik und Wirkstoffkosmetik, seit 10 Jahren in eigener Praxis tätig.