Veröffentlicht am März 15, 2024

Hartes Wasser schädigt Ihr Haar nicht nur oberflächlich, sondern durch eine chemische Reaktion, die die Haarstruktur gezielt angreift und schwächt.

  • Kalk (Kalziumionen) legt sich wie eine raue, kristalline Schicht ums Haar, was zu Stumpfheit und Haarbruch führt.
  • Heiße Temperaturen beschleunigen diese mineralischen Ablagerungen und öffnen die Schuppenschicht für noch mehr Schäden.

Empfehlung: Kombinieren Sie gezielte chemische Reinigung (Chelatshampoos) mit schonender mechanischer Pflege (richtiges Bürsten) und einer pH-Wert-Korrektur (saure Rinse), um die Schäden aktiv zu neutralisieren.

Fühlt sich Ihr Haar nach dem Waschen oft stumpf, spröde und schwer kämmbar an, obwohl Sie hochwertige Produkte verwenden? Sie sind nicht allein. Dieses Gefühl, als wäre ein unsichtbarer Film auf dem Haar, ist ein weitverbreitetes Problem, besonders in vielen deutschen Städten. Die Ursache liegt oft nicht in Ihrer Pflegeroutine, sondern direkt in Ihrem Wasserhahn: hartes, kalkhaltiges Wasser. Laut aktuellen Messungen haben rund 60 % der deutschen Haushalte hartes Wasser mit einem Wert von über 14 °dH. Das betrifft Metropolen wie Berlin, München und Stuttgart besonders stark.

Die üblichen Ratschläge kennen Sie wahrscheinlich: „Spülen Sie mit Essig“ oder „nutzen Sie ein spezielles Shampoo“. Diese Tipps sind zwar nicht falsch, aber sie kratzen nur an der Oberfläche. Als Friseurmeister mit einem tiefen Verständnis für die Chemie des Haares sehe ich es täglich: Um das Problem wirklich zu lösen, müssen wir es auf molekularer Ebene verstehen. Es geht nicht darum, das Haar einfach nur „sauber“ zu bekommen, sondern darum, eine gezielte chemische Reaktion umzukehren. Die Kalzium- und Magnesiumionen im harten Wasser gehen eine feste Verbindung mit der Haaroberfläche ein und bauen eine regelrechte Rüstung aus Mineralien auf, die Licht nicht mehr reflektiert und das Haar brüchig macht.

Aber was, wenn der wahre Schlüssel nicht darin liegt, immer aggressiver zu reinigen, sondern die Chemie zu verstehen und sie zu Ihrem Vorteil zu nutzen? Dieser Guide wird Ihnen nicht nur sagen, *was* Sie tun sollen, sondern Ihnen auch das *Warum* erklären. Wir werden die unsichtbaren Ablagerungen entmystifizieren, die Wirkung von Temperatur analysieren und Ihnen präzise Werkzeuge an die Hand geben, um die Gesundheit und den Glanz Ihres Haares zurückzugewinnen – basierend auf wissenschaftlichen Prinzipien, nicht auf Mythen.

In diesem Artikel tauchen wir tief in die Materie ein, um Ihnen eine fundierte und nachhaltige Strategie an die Hand zu geben. Sie werden lernen, wie einfache Hausmittel chemisch wirken, warum die Wassertemperatur entscheidend ist und wie Sie Ihr Haar richtig diagnostizieren, um es gezielt zu pflegen.

Wie entfernt einfacher Apfelessig Kalkrückstände und bringt Glanz zurück?

Der Tipp, die Haare mit Apfelessig zu spülen, ist einer der bekanntesten im Kampf gegen hartes Wasser. Doch um seine Wirkung voll auszuschöpfen, müssen wir verstehen, was hier chemisch passiert. Hartes Wasser ist alkalisch (hat einen hohen pH-Wert), während unsere Kopfhaut und unser Haar von Natur aus leicht sauer sind (pH-Wert ca. 4,5-5,5). Das alkalische Wasser raut die Schuppenschicht (Cuticula) des Haares auf und ermöglicht es den darin gelösten Mineralien wie Kalziumkarbonat, sich festzusetzen. Das Haar wird stumpf und spröde.

Hier kommt die pH-Wert-Korrektur ins Spiel. Apfelessig ist eine Säure. Wenn Sie ihn verdünnt auf das Haar auftragen, neutralisiert er die alkalischen Rückstände des Wassers. Diese Säure-Base-Reaktion löst die mineralischen Ablagerungen von der Haaroberfläche. Gleichzeitig sorgt der saure pH-Wert dafür, dass sich die aufgeraute Schuppenschicht wieder schließt und glatt anlegt. Das Ergebnis: Das Licht wird wieder gleichmäßig reflektiert, und das Haar erhält seinen natürlichen Glanz zurück. Es ist also keine Magie, sondern reine Chemie.

Ihr Aktionsplan: Die perfekte Apfelessig-Spülung

  1. Mischen Sie 50 ml Bio-Apfelessig (z.B. von Alnatura oder dmBio) mit 500 ml lauwarmem Wasser in einer sauberen Flasche oder einem Messbecher.
  2. Waschen Sie Ihre Haare wie gewohnt mit Shampoo und stellen Sie sicher, dass es vollständig ausgespült ist, um Produktreste zu entfernen.
  3. Gießen Sie die Apfelessig-Mischung langsam und gleichmäßig über Ihr Haar und die Kopfhaut. Massieren Sie die Flüssigkeit sanft ein, um alle Strähnen zu benetzen.
  4. Lassen Sie die saure Rinse für 2-3 Minuten einwirken. In dieser Zeit findet die chemische Neutralisierung der Kalkablagerungen statt.
  5. Spülen Sie die Lösung anschließend gründlich mit kühlem Wasser aus. Die Kälte hilft, die Schuppenschicht zusätzlich zu versiegeln und den Glanz zu maximieren.

Diese Prozedur müssen Sie nicht bei jeder Wäsche durchführen. In Regionen mit sehr hartem Wasser kann eine Anwendung pro Woche bereits einen signifikanten Unterschied machen. Sie stellen damit das natürliche, leicht saure Milieu von Haar und Kopfhaut wieder her und beugen effektiv neuen kristallinen Ablagerungen vor.

Warum schädigt zu heißes Wasser die Schuppenschicht fast so sehr wie ein Glätteisen?

Eine heiße Dusche mag sich entspannend anfühlen, für Ihr Haar ist sie jedoch purer Stress – insbesondere in Kombination mit hartem Wasser. Die schädigende Wirkung lässt sich mit der eines Hitzestyling-Tools wie einem Glätteisen vergleichen, nur dass der Angriff schleichender und regelmäßiger erfolgt. Hitze, egal ob von Wasser oder Metall, bewirkt eine physikalische Veränderung der Haarstruktur: Die Schuppenschicht, die das Haar wie ein Panzer aus Tannenzapfen schützt, wird gezwungen, sich zu öffnen.

In diesem verletzlichen, offenen Zustand ist das Haar gleich zwei Gefahren ausgesetzt. Erstens verliert es wertvolle Feuchtigkeit und Lipide aus seinem Inneren, was zu Trockenheit führt. Zweitens, und das ist das Kernproblem bei hartem Wasser, wird die geöffnete Schuppenschicht zu einem perfekten Anker für Mineralien. Die im heißen Wasser noch leichter löslichen Kalzium- und Magnesiumionen dringen tief in die Haarstruktur ein und lagern sich dort ab, während das Wasser verdunstet. Dieser Prozess des kationischen Austauschs wird durch Hitze massiv beschleunigt. Das Haar wird nicht nur von außen rau, sondern auch von innen quasi „mineralisiert“ und verliert seine Flexibilität.

Experten sind sich einig, dass die Temperatur ein entscheidender Faktor ist. Für die Haarwäsche ist eine moderate Temperatur ideal, um die Poren der Kopfhaut zu öffnen und Talg zu lösen, ohne die Haarstruktur zu schädigen. Wie Haar-Experten betonen, sollte die Wassertemperatur idealerweise bei lauwarmen 37 °C liegen. Alles darüber strapaziert die Cuticula unnötig und fördert die schädlichen Kalkablagerungen. Ein kalter Guss am Ende der Wäsche wirkt dann wie ein Versiegelungslack: Er schließt die Schuppenschicht, sperrt die Feuchtigkeit ein und maximiert den Glanz.

Muss man fettiges Haar wirklich „ausfetten“ lassen oder ist das ein Mythos?

Der Mythos des „Ausfettens“ – also das Hinauszögern der Haarwäsche, damit die Kopfhaut weniger Talg produziert – hält sich hartnäckig. In Regionen mit hartem Wasser ist dieser Ansatz jedoch nicht nur wirkungslos, sondern oft sogar kontraproduktiv. Das Gefühl von fettigem, strähnigem Haar wird hier nämlich häufig nicht allein durch Talg (Sebum) verursacht, sondern durch den sogenannten „Build-up“-Effekt: eine Mischung aus Talg, Stylingresten und vor allem mineralischen Ablagerungen aus dem Wasser.

Diese Schicht beschwert das Haar, lässt es platt und ungepflegt aussehen und verstopft die Poren der Kopfhaut. Die Kopfhaut reagiert auf diese „Abdichtung“ paradoxerweise oft mit einer erhöhten Talgproduktion, da sie versucht, die blockierte Oberfläche zu durchdringen und eine Schutzschicht zu bilden. Das „Ausfetten“ verschlimmert das Problem also, anstatt es zu lösen. Besonders Menschen mit Locken oder Afro-Haar leiden darunter, da ihre ohnehin schon trockene Haarstruktur durch die Ablagerungen noch spröder und strohiger wird, während der Ansatz schnell fettig wirkt.

Die Lösung liegt nicht im selteneren Waschen, sondern im intelligenteren Waschen. Statt die Kopfhaut unter einer Schicht aus Kalk und Talg ersticken zu lassen, müssen diese Ablagerungen gezielt entfernt werden. Erst dann kann sich die Talgproduktion wieder auf ein natürliches Maß einpendeln. Die folgende Tabelle verdeutlicht den Unterschied zwischen dem Mythos und der Realität in Hartwasser-Regionen.

Mythos vs. Realität bei fettigem Haar in Hartwasser-Regionen
Mythos Realität bei hartem Wasser Lösung
Haar muss ‚ausfetten‘ Kalk-Build-up täuscht Fettigkeit vor Tiefenreinigung mit Chelatshampoo
Weniger waschen hilft Mineralablagerungen verstopfen Poren Regelmäßige saure Rinse
Talg reguliert sich selbst Kopfhaut überproduziert als Schutzreaktion pH-Wert mit Apfelessig ausgleichen

Die richtige Strategie ist also eine regelmäßige, aber gezielte Reinigung, die sowohl Talg als auch Mineralien entfernt und den pH-Wert der Kopfhaut ausgleicht. Nur so durchbrechen Sie den Teufelskreis aus Ablagerungen und Überproduktion von Fett.

Wie bürsten Sie Haare, ohne sie mechanisch abzureißen (von unten nach oben)?

Bei Haaren, die durch hartes Wasser bereits geschwächt und rau sind, ist die mechanische Belastung durch Bürsten und Kämmen ein kritisches Thema. Die kristallinen Kalkablagerungen auf der Haaroberfläche erhöhen die Reibung zwischen den einzelnen Haaren dramatisch. Jeder Bürstenstrich an einem verknoteten Haar wirkt wie ein Reißen an einer spröden Faser. Tatsächlich zeigen Studien, dass bei regelmäßiger Exposition gegenüber hartem Wasser bis zu 40 % mehr Haarbruch auftreten kann. Der häufigste Fehler dabei ist, kraftvoll vom Ansatz zu den Spitzen zu bürsten. Dadurch wird ein kleiner Knoten zu einem immer größeren Knäuel verdichtet, bis das Haar unter der Spannung reißt.

Die professionelle und haarschonende Methode ist genau umgekehrt: die „Bottom-up“-Technik. Beginnen Sie immer in den Spitzen. Halten Sie eine kleine Haarpartie fest und kämmen Sie nur die untersten paar Zentimeter, bis diese frei von Knoten sind. Arbeiten Sie sich dann langsam, Sektion für Sektion, nach oben in Richtung Haaransatz vor. Indem Sie Knoten von unten nach außen lösen, anstatt sie nach unten zu schieben, vermeiden Sie die enorme Zugkraft am Haarfollikel und minimieren den Haarbruch.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist der Zeitpunkt des Entwirrens. Nasses Haar ist wesentlich dehnbarer und anfälliger für Bruch als trockenes Haar. Seine Elastizität ist um bis zu 30 % erhöht, was bedeutet, dass es sich überdehnt und reißt, bevor man den Widerstand spürt. Deshalb lautet die goldene Regel: Entwirren Sie Ihr Haar immer im trockenen Zustand VOR dem Waschen. Verwenden Sie hierfür einen grobzinkigen Kamm, idealerweise aus Holz, oder eine spezielle Entwirrbürste (wie einen Tangle Teezer, der in Drogerien wie dm oder Rossmann erhältlich ist). Wenn Sie auf einen Knoten stoßen, halten Sie das Haar oberhalb der verfilzten Stelle fest, um den Zug von der Kopfhaut zu nehmen, und lösen Sie den Knoten vorsichtig von unten.

Erst nach dieser Vorbereitung sollte das Haar gewaschen werden. Nach der Anwendung einer sauren Spülung, die die Haaroberfläche glättet, wird das Kämmen im nassen Zustand (falls nötig) wesentlich einfacher und schonender.

Wann und wie oft braucht Ihr Haar ein Tiefenreinigungsshampoo gegen Styling-Reste?

Ein Tiefenreinigungsshampoo, auch Clarifying oder Detox Shampoo genannt, ist die stärkste Waffe im Kampf gegen die mineralischen Ablagerungen aus hartem Wasser. Anders als ein normales Shampoo enthält es spezielle Wirkstoffe, sogenannte Chelatbildner (z.B. Disodium EDTA oder Tetrasodium EDTA) und organische Säuren wie Zitronensäure (Citric Acid). Diese Inhaltsstoffe sind in der Lage, die hartnäckigen Kalzium- und Magnesiumionen chemisch zu „greifen“ (chelatieren), sie von der Haaroberfläche zu lösen und mit dem Wasser auszuspülen. Sie führen quasi eine chemische Grundreinigung durch.

Allerdings ist diese Reinigung so effektiv, dass sie bei zu häufiger Anwendung auch natürliche Öle von Haar und Kopfhaut entfernen und das Haar austrocknen kann. Die Frage ist also nicht *ob*, sondern *wie oft* man es verwenden sollte. Die Antwort hängt direkt von zwei Faktoren ab: der Wasserhärte an Ihrem Wohnort und Ihrer Verwendung von Stylingprodukten. Je härter das Wasser und je mehr Produkte (Haarspray, Gel, Trockenshampoo) Sie benutzen, desto häufiger ist eine Tiefenreinigung nötig.

Vergleichsaufnahme von Haarstruktur vor und nach Tiefenreinigung mit einem Chelatshampoo, die eine glattere Oberfläche zeigt.

Als Faustregel gilt: Fühlt sich Ihr Haar selbst nach dem Waschen schwer, matt oder wachsig an, ist es Zeit für eine Tiefenreinigung. Eine gute Orientierung bietet auch die Wasserhärte in Ihrer Stadt. Die folgende Tabelle gibt eine Empfehlung, wie oft eine Tiefenreinigung sinnvoll ist, basierend auf der Wasserhärte deutscher Städte.

Reinigungskalender nach Wasserhärte in deutschen Städten
Wasserhärte Deutsche Städte (Beispiele) Tiefenreinigung
>14°dH (sehr hart) München (16°dH), Berlin, Stuttgart Alle 7-10 Tage
8-14°dH (mittelhart) Hamburg, Frankfurt, Köln Alle 14 Tage
<8°dH (weich) Bremen, Freiburg Alle 3-4 Wochen

Ein solches Shampoo ist kein Ersatz für Ihre tägliche Pflege, sondern eine Ergänzung. Betrachten Sie es als einen „Reset-Knopf“ für Ihr Haar, der es von allen Altlasten befreit und wieder aufnahmefähig für pflegende Kuren und Conditioner macht.

Warum heißes Wasser beim Gesichtwaschen die Haut noch mehr austrocknet

Die schädliche Wirkung von heißem, kalkhaltigem Wasser beschränkt sich nicht nur auf die Haare – unsere Haut, insbesondere die empfindliche Kopfhaut und Gesichtshaut, leidet gleichermaßen. Der Mechanismus ist identisch: Heißes Wasser löst die natürlichen Lipide und Fette aus der Hautschutzbarriere. Diese Fette sind essenziell, um die Feuchtigkeit in der Haut zu halten und sie vor äußeren Einflüssen zu schützen. Werden sie entfernt, wird die Haut durchlässig und verliert Wasser an die Umgebung – ein Prozess, der als transepidermaler Wasserverlust bekannt ist.

Kombiniert man dies mit hartem Wasser, entsteht ein doppelter Negativ-Effekt. Die im Wasser gelösten Mineralien bilden beim Trocknen einen unsichtbaren, rauen Film auf der Haut. Dieser Film kann die Poren verstopfen und führt zu einem unangenehmen Spannungsgefühl. Zudem hinterlassen Seifen und Reinigungsprodukte in Verbindung mit Kalkwasser oft unlösliche Rückstände (Kalkseife), die die Haut zusätzlich reizen und austrocknen können.

Wissenschaftliche Beobachtungen bestätigen den Temperatureffekt. Dermatologen warnen, dass die Kopfhaut bei einer Wassertemperatur von 40°C bis zu 25% mehr Feuchtigkeit verliert als bei moderaten 30°C. Für die Gesichtshaut, die noch dünner und empfindlicher ist, ist dieser Effekt sogar noch ausgeprägter. Wie die Redaktion von wmn.de treffend zusammenfasst:

Heißes Wasser kann das Haar [und die Haut] austrocknen und somit die Auswirkungen von hartem Wasser verstärken. Am besten wäschst du deine Haare [und dein Gesicht] daher mit lauwarmem Wasser.

– Redaktion wmn.de, Hartes Wasser: So schonst du deine Haare trotzdem

Die optimale Strategie für Haut und Haar ist daher konsistent: Verwenden Sie lauwarmes Wasser für die Reinigung, um Schmutz und Talg effektiv zu lösen, ohne die Schutzbarriere zu zerstören. Schließen Sie die Routine mit einem Spritzer kaltem Wasser ab, um die Poren zu schließen und die Durchblutung anzuregen. Ihr Teint wird es Ihnen ebenso danken wie Ihr Haar.

Wie reinigt man Schmuck mit tiefen Rillen, in denen sich Schmutz sammelt?

Um die Wirkung von Kalkablagerungen auf dem Haar zu visualisieren, hilft eine einfache Analogie: Stellen Sie sich ein filigranes Schmuckstück mit vielen kleinen Rillen und Vertiefungen vor. Mit der Zeit sammelt sich in diesen Vertiefungen Schmutz, Staub und Seifenreste. Der Schmuck verliert seinen Glanz, wirkt matt und dunkel. Genau dasselbe geschieht auf mikroskopischer Ebene mit jeder einzelnen Haarsträhne.

Die Schuppenschicht eines Haares ist nicht perfekt glatt. Sie hat, ähnlich wie das Schmuckstück, eine Struktur. Bei gesundem Haar liegen die Schuppen flach an. Durch chemische Behandlungen, Hitze oder eben hartes Wasser werden diese Schuppen aufgeraut. In den winzigen Zwischenräumen, die so entstehen, lagern sich die unlöslichen Mineralstoffe aus dem Wasser ab. Das Haar wird nicht nur stumpf, weil es das Licht nicht mehr reflektiert, sondern auch steif und brüchig, weil die Ablagerungen seine Flexibilität einschränken.

Interessanterweise ähneln sich auch die Reinigungsmethoden für Schmuck und Haar in ihrer Logik:

  • Mechanische Reinigung: Beim Schmuck würde man eine weiche Bürste verwenden, um oberflächlichen Schmutz zu entfernen. Beim Haar entspricht dies dem vorsichtigen Entwirren mit einem grobzinkigen Kamm vor der Wäsche, um lose Partikel zu lösen.
  • Chemische Reinigung: Für eine Tiefenreinigung legt man Schmuck in ein Ultraschallbad oder eine spezielle Lösung, die die Ablagerungen chemisch löst. Beim Haar ist dies die Aufgabe des Chelatshampoos, das die Mineralien gezielt bindet und entfernt.
  • Saure Behandlung: Um angelaufenes Silber oder Gold wieder zum Glänzen zu bringen, verwendet man oft Säuren wie Zitronensäure. Dies entspricht exakt der Funktion der Apfelessig-Spülung beim Haar: Die Säure löst die mineralischen (alkalischen) Beläge und poliert die Oberfläche, um den Glanz wiederherzustellen.

Diese Analogie macht deutlich, dass eine einzige Methode oft nicht ausreicht. Eine umfassende Pflegeroutine kombiniert, genau wie bei der Schmuckreinigung, mechanische, chemische und polierende Elemente, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Das Wichtigste in Kürze

  • pH-Wert korrigieren: Nutzen Sie regelmäßig eine saure Rinse (z.B. Apfelessig), um alkalische Kalkablagerungen chemisch zu neutralisieren und die Schuppenschicht zu glätten.
  • Temperatur kontrollieren: Waschen Sie Ihr Haar mit lauwarmem Wasser (ca. 37 °C), um die Schuppenschicht zu schonen und die Anlagerung von Mineralien zu verlangsamen.
  • Gezielt tiefenreinigen: Verwenden Sie in Abständen, die Ihrer lokalen Wasserhärte entsprechen, ein Chelatshampoo, um mineralischen Build-up effektiv zu entfernen.

Woran erkennen Sie, ob Ihr Haar nur trocken oder strukturell geschädigt ist?

Eines der größten Dilemmas bei der Haarpflege in Hartwasser-Regionen ist die richtige Diagnose. Fühlt sich das Haar „nur“ trocken an wegen der Kalkschicht, oder liegt bereits ein tieferer, struktureller Schaden vor, zum Beispiel durch Blondierungen, Färben oder exzessives Hitzestyling? Die Unterscheidung ist entscheidend, denn beide Zustände erfordern völlig unterschiedliche Behandlungen. Einem Haar, dem es an Feuchtigkeit mangelt, mit Proteinen zu kommen, kann es noch steifer machen. Umgekehrt hilft eine Feuchtigkeitskur wenig, wenn die innere Keratinstruktur gebrochen ist.

Ein Haar mit Kalkablagerungen fühlt sich typischerweise rau, stumpf und irgendwie „belegt“ an. Es lässt sich schwer kämmen und wirkt beschwert. Ein einfacher Test ist die probeweise Anwendung eines Tiefenreinigungsshampoos mit Chelatbildnern. Wenn sich das Haar danach signifikant weicher, leichter und glänzender anfühlt, war der Build-up das Hauptproblem. Die Pflegestrategie sollte sich dann auf regelmäßige saure Spülungen und klärende Shampoos konzentrieren, um den Zustand zu erhalten.

Ein strukturell geschädigtes Haar hingegen zeigt auch nach einer Tiefenreinigung weiterhin deutliche Schwächen. Ein typisches Anzeichen ist extreme Brüchigkeit. Machen Sie den Elastizitätstest: Nehmen Sie ein einzelnes nasses Haar und ziehen Sie es vorsichtig an beiden Enden. Ein gesundes Haar dehnt sich leicht und federt zurück. Ein strukturell geschädigtes Haar reißt fast sofort ohne nennenswerte Dehnung. Es fühlt sich oft nicht nur trocken, sondern auch „leer“ und kraftlos an. In diesem Fall benötigt das Haar eine aufbauende Pflege mit Inhaltsstoffen wie Keratin, Seidenproteinen oder Aminosäuren, die die Lücken in der inneren Faserstruktur (dem Cortex) wieder auffüllen können.

Oft liegt eine Kombination aus beidem vor: Ein bereits durch chemische Behandlungen geschädigtes, poröses Haar ist noch anfälliger für Kalkablagerungen. Hier ist eine zweistufige Strategie nötig: Zuerst die Kalkschicht mit einer Tiefenreinigung entfernen, um das Haar aufnahmefähig zu machen, und anschließend eine reparierende Proteinkur anwenden.

Die richtige Diagnose ist die Grundlage jeder erfolgreichen Behandlung. Die Fähigkeit, zwischen Trockenheit durch Ablagerungen und echter Strukturschädigung zu unterscheiden, ist der erste Schritt zum Profi.

Beginnen Sie noch heute mit der Diagnose Ihres Haares, um eine gezielte Pflegeroutine zu entwickeln, die nicht nur die Symptome bekämpft, sondern die Ursache des Problems an der Wurzel packt.

Häufige Fragen zu Haarschäden durch kalkhaltiges Wasser

Wie teste ich, ob mein Haar unter Kalkablagerungen leidet?

Die einfachste Methode ist ein diagnostischer Waschgang. Verwenden Sie einmalig ein Tiefenreinigungsshampoo, das explizit Chelatbildner wie Disodium EDTA oder Citric Acid enthält. Achten Sie auf das Gefühl Ihres Haares, während und nachdem es getrocknet ist. Fühlt es sich dramatisch weicher, leichter und glänzender an als sonst, ist dies ein klares Indiz dafür, dass mineralischer Build-up das Hauptproblem war.

Was deutet auf strukturelle Schäden hin?

Strukturelle Schäden zeigen sich in einem Mangel an Elastizität und Festigkeit. Wenn Ihr Haar auch nach einer gründlichen Kalkreinigung weiterhin sehr brüchig ist, sich „gummiartig“ anfühlt, wenn es nass ist, und beim leichten Ziehen sofort reißt, deutet dies auf eine innere Schädigung der Keratinketten hin. Dies wird meist durch aggressive chemische Behandlungen wie Blondierungen oder Dauerwellen verursacht.

Welche Behandlung brauche ich?

Die Behandlung hängt direkt von der Diagnose ab. Bei Kalkschäden ist die Lösung eine regelmäßige Routine aus sauren Spülungen zur pH-Wert-Regulierung und gelegentlichen Tiefenreinigungen mit Chelatshampoos. Bei Strukturschäden benötigen Sie aufbauende Kuren, die reich an Proteinen, Keratin oder Aminosäuren sind, um die Lücken in der Haarstruktur zu füllen. Diese finden Sie in Friseursalons oder als Spezialprodukte in Apotheken. Liegt eine Kombination vor, lautet die Reihenfolge immer: Zuerst den Kalk entfernen, dann die Struktur aufbauen.

Geschrieben von Stefan Behrendt, Friseurmeister und Trichologe, spezialisiert auf Haargesundheit, Kopfhautprobleme und Farbkorrekturen.