Veröffentlicht am April 11, 2024

Die Vorstellung, Fett durch Massagen „wegkneten“ zu können, ist ein Mythos, der auf einem Missverständnis der Körperphysiologie beruht.

  • Echte, sichtbare Formung entsteht nicht durch Druck auf Fettzellen, sondern durch die Aktivierung des Lymphsystems, das eingelagertes Wasser abtransportiert und so den Umfang reduziert.
  • Tools wie Schröpfgläser und Gua Sha verbessern die Gewebestruktur, indem sie fasziale Verklebungen lösen und die Mikrozirkulation fördern, was die Haut glatter erscheinen lässt.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich auf die korrekte Abflussrichtung der Lymphe zum Herzen – das ist der Schlüssel zu messbar strafferen Konturen, nicht die Kraft der Massage.

Der Wunsch, die eigene Körpersilhouette zu optimieren, hartnäckige Dellen zu glätten oder den Umfang an Oberschenkeln und Bauch zu reduzieren, ist weit verbreitet. Der Markt reagiert darauf mit einer Flut von Versprechen: Cremes, Roller, Massagegeräte und spezielle Techniken sollen den Körper ohne chirurgischen Eingriff „formen“. Als Physiotherapeutin mit Spezialisierung auf Lymphologie sehe ich täglich die Frustration von Frauen, die viel Zeit und Geld in Methoden investieren, die auf falschen Annahmen beruhen. Das größte Missverständnis ist die Idee, man könne Fettpolster einfach „wegkneten“ oder „zerschlagen“.

Die Wahrheit ist subtiler und wurzelt in der faszinierenden Funktionsweise unseres Körpers. Es geht weniger um Bildhauerei am Fettgewebe als vielmehr um eine intelligente Form des „Hydraulik-Managements“. Der wahre Hebel für eine straffere, glatter wirkende Kontur liegt in der Reaktivierung eines oft vernachlässigten Systems: des Lymphsystems. Dieses komplexe Netzwerk ist die körpereigene Müllabfuhr und Entwässerungsanlage. Wenn es stagniert, sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe an, was zu Schwellungen, einem erhöhten Umfang und einer verstärkten Sichtbarkeit von Cellulite führt.

Doch was bedeutet das konkret für die Anwendung von Tools wie Schröpfgläsern, Gua Sha oder Trockenbürsten? Und wie hängt die Ernährung, Stichwort „Verzuckerung“, damit zusammen? Dieser Artikel bricht mit den Mythen und erklärt aus physiotherapeutischer Sicht, welche Methoden wirklich funktionieren und warum. Wir werden die wissenschaftlichen Grundlagen der Lymphdrainage beleuchten, die Wirkungsweise verschiedener Tools vergleichen und Ihnen präzise, anwendbare Anleitungen an die Hand geben, damit Sie Ihr körpereigenes Entsorgungssystem effektiv für sich arbeiten lassen können.

Um die Zusammenhänge und die effektivsten Techniken im Detail zu verstehen, haben wir diesen Ratgeber strukturiert. Er führt Sie von den Grundlagen der Lymphphysiologie bis hin zu konkreten Anwendungs- und Pflegetipps für den Alltag.

Warum reduziert regelmäßige Lymphdrainage den Umfang der Oberschenkel messbar?

Die messbare Reduktion des Oberschenkelumfangs durch manuelle Lymphdrainage (MLD) ist keine Magie, sondern reine Physiologie. Anders als eine kräftige Sportmassage, die auf die Muskulatur zielt, arbeitet die MLD mit sanftem, rhythmischem Druck an der Oberfläche. Das Ziel ist nicht das Fettgewebe, sondern die interstitielle Flüssigkeit – also Wasser, das sich zwischen den Zellen im Bindegewebe ansammelt. Diese Flüssigkeitsansammlung, auch Ödem genannt, lässt die Beine geschwollen und schwer erscheinen und macht die typische Dellenstruktur der Cellulite deutlicher sichtbar.

Die Lymphdrainage regt die feinen Lymphkapillaren in der Haut an, diese überschüssige Flüssigkeit mitsamt darin gelöster Stoffwechselendprodukte aufzunehmen. Von dort wird sie über größere Lymphgefäße zu den Lymphknoten transportiert, gefiltert und schließlich wieder dem Blutkreislauf zugeführt, um über die Nieren ausgeschieden zu werden. Das Ergebnis ist eine Art „innere Entwässerung“. Das Gewebe wird entstaut, der Druck lässt nach und der Umfang der Oberschenkel verringert sich. Die Wirksamkeit ist gut dokumentiert; eine 2018 veröffentlichte Studie zeigt, dass über 75% der Patienten mit Lymphödem eine signifikante Reduzierung der Schwellung erfahren.

Dieser Effekt ist besonders bei Lipödemen oder schwangerschaftsbedingten Wassereinlagerungen deutlich. Eine österreichische Studie fand Hinweise darauf, dass die komplexe Entstauungstherapie inklusive MLD bereits innerhalb von fünf Tagen zu einer Vorteil hinsichtlich einer Reduktion des Beinvolumens führen kann. Wichtig zu verstehen ist: Die Anzahl der Fettzellen ändert sich dadurch nicht, aber ihre „Verpackung“ wird deutlich kompakter und die Kontur glatter.

Schröpfen oder Gua Sha: Welches Tool wirkt besser gegen Cellulite?

Sowohl Schröpfen als auch Gua Sha sind Techniken, die auf die Verbesserung der Gewebestruktur abzielen, doch ihre Wirkmechanismen unterscheiden sich grundlegend. Die Wahl des richtigen Tools hängt von der Art der Cellulite und dem gewünschten Effekt ab. Beim Schröpfen wird durch ein Glas oder einen Silikon-Cup ein Unterdruck auf der Haut erzeugt. Dieser Sog hebt nicht nur die Haut, sondern auch die darunterliegenden Faszien-Schichten an. Das ist besonders wirksam bei „Dellen“-Cellulite, die durch verklebte Faszien entsteht, welche die Haut nach unten ziehen und so die charakteristischen Einbuchtungen verursachen. Der Unterdruck löst diese tiefen Verklebungen und fördert die Durchblutung im gesamten Areal.

Im Gegensatz dazu arbeitet der Gua Sha Stein mit Druck und Reibung an der Oberfläche. Durch das Schaben mit der abgerundeten Kante über die geölte Haut wird vor allem die oberflächliche Mikrozirkulation massiv angeregt und der Lymphfluss in den obersten Hautschichten gefördert. Dies führt zu einer besseren Versorgung des Gewebes mit Nährstoffen und Sauerstoff und hilft, feine Unebenheiten zu glätten. Gua Sha eignet sich daher hervorragend zur allgemeinen Verbesserung der Hauttextur und bei einer eher welligen Form der Cellulite.

Nahaufnahme von Schröpfglas und Gua Sha Stein bei Cellulite-Behandlung

Die Entscheidung für ein Tool ist also strategisch. Für tiefe, sichtbare Dellen ist die intensive, lösende Wirkung des Schröpfens oft überlegen, während Gua Sha ideal für eine glattere, ebenmäßigere Hautoberfläche ist. Viele Anwenderinnen in deutschen Beauty-Foren berichten von Erfolgen durch die Kombination beider Methoden: Zuerst mit dem Schröpfglas die tiefen Verklebungen lösen und anschließend mit dem Gua Sha die Oberfläche glätten und den Lymphabtransport finalisieren. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:

Die folgende Tabelle, basierend auf Produktinformationen und Anwendungsprinzipien, bietet einen direkten Vergleich der beiden Methoden:

Vergleich Schröpfen vs. Gua Sha bei Cellulite-Behandlung
Kriterium Schröpfen Gua Sha
Wirkmechanismus Unterdruck hebt Faszien an, löst tiefe Verklebungen Druck und Reibung für oberflächliche Durchblutung
Beste Anwendung ‚Dellen‘-Cellulite an Oberschenkeln Allgemeine Hauttextur-Verbesserung
Intensität Stärker, kann Hämatome verursachen Sanfter, oberflächlicher
Kosten in Apotheke Ab 40€ für elektrische Geräte Ab 14€ für Jade-Roller
Behandlungsdauer 10-15 Minuten pro Zone 5-10 Minuten pro Zone

In welche Richtung müssen Sie bürsten, um den Lymphfluss zum Herzen zu aktivieren?

Dies ist die vielleicht wichtigste Regel bei allen Formen der stimulierenden Selbstmassage, sei es Trockenbürsten, Gua Sha oder manuelle Ausstreichungen: Die Bewegungsrichtung muss immer zum Herzen bzw. zum Rumpf hin erfolgen. Der Grund dafür liegt in der Anatomie unseres Lymphsystems. Es ist kein geschlossener Kreislauf wie das Blutsystem, sondern ein Einbahnsystem, das in der Peripherie (Arme, Beine) beginnt und zentral im Bereich der großen Venen nahe dem Herzen mündet.

Die Lymphgefäße besitzen Klappen, die wie Ventile funktionieren und einen Rückfluss der Lymphe verhindern. Eine Massage oder Bürstung in die falsche Richtung, also vom Herzen weg, arbeitet gegen diese Klappen und kann den Lymphfluss sogar blockieren oder stauen. Die korrekte Technik ahmt die natürliche Fließrichtung nach und schiebt die Gewebsflüssigkeit sanft in Richtung der großen Lymphsammelstellen. Diese befinden sich in den Kniekehlen, der Leiste, den Achseln und am Hals. Von dort aus wird die Lymphe weiter Richtung Brustkorb transportiert.

Die Bedeutung der manuellen Lymphdrainage wird auch durch die Ausgaben der Krankenkassen unterstrichen. Wie Fachportale berichten, gaben die gesetzlichen Krankenkassen 2023 rund 1,7 Milliarden Euro für etwa 36 Millionen Behandlungseinheiten aus, was die medizinische Anerkennung dieser Therapieform in Deutschland zeigt. Die Deutsche Gesellschaft für Lymphologie bestätigt in einem Fachbeitrag die Wirksamkeit bei Cellulite, wie die Expertin hervorhebt:

Die Lymphdrainage kann helfen, diese Wassereinlagerungen abzubauen und das Bindegewebe wieder zu straffen.

– Deutsche Gesellschaft für Lymphologie, Estheticon Fachbeitrag zur Lymphdrainage

Eine korrekte Anwendung beginnt also immer damit, die zentralen Lymphknoten (z.B. in der Leiste) durch sanften Druck zu „aktivieren“, bevor man die Oberschenkel in langen, sanften Zügen nach oben ausstreicht.

Ihr 5-Punkte-Check für eine korrekte Lymphaktivierung

  1. Punkte prüfen: Wo sind meine zentralen Lymphknotenstationen (Schlüsselbein, Achseln, Leiste)?
  2. Reihenfolge einhalten: Aktiviere ich immer ZUERST die zentralen Stationen, bevor ich die Extremitäten ausstreiche?
  3. Richtung kontrollieren: Führe ich alle Bewegungen konsequent in Richtung Herz/Rumpf aus?
  4. Druck justieren: Ist mein Druck sanft genug (ein „Ziehen“, kein „Drücken“), um die oberflächlichen Lymphgefäße nicht zu komprimieren?
  5. Ablauf planen: Integriere ich diese Routine (z.B. Trockenbürsten) VOR dem Duschen, um die Haut aufnahmefähig für die anschließende Pflege zu machen?

Warum verschwindet Fettgewebe nicht durch Kneten und was passiert stattdessen?

Der hartnäckige Mythos, man könne Fett durch intensives Kneten, Rollen oder Massieren „zertrümmern“ oder zum Schmelzen bringen, ist aus physiologischer Sicht schlichtweg falsch. Adipozyten (Fettzellen) sind lebende Zellen, die nicht durch mechanischen Druck zerstört werden können – andernfalls wäre jeder Stoß oder Sturz eine lokale Fettreduktionsmaßnahme. Was bei einer tiefen Gewebemassage tatsächlich passiert, ist weitaus komplexer und betrifft vor allem das Fasziengewebe und die interstitielle Flüssigkeit.

Intensive Massagetechniken, wie etwa eine Zupfmassage oder die Arbeit mit einer Faszienrolle, üben Druck auf das Bindegewebe aus. Dieser Druck wirkt wie bei einem Schwamm: Die im Gewebe eingelagerte Flüssigkeit wird herausgepresst und kann vom Lymphsystem besser aufgenommen und abtransportiert werden. Gleichzeitig werden Verklebungen und Verhärtungen in den Faszien, die das Fettgewebe umhüllen, gelöst. Diese verklebten Faszien sind oft die Ursache für die unebene Hautoberfläche bei Cellulite. Wenn sie gelöst werden, kann sich das Gewebe neu organisieren und die Hautoberfläche erscheint glatter und straffer.

Mikroskopische Darstellung der Faszienstruktur während einer Massage

Eine Schweizer Studie zur apparativen Lymphdrainage fasst diesen Effekt prägnant zusammen: Die Behandlung reduziert das Volumen des Fettgewebes im Bereich der Oberschenkel, indem sie Wasser aus dem Zwischenzellraum drainiert. Die Fettmenge selbst bleibt jedoch unverändert. Der sichtbare Effekt ist also ein Resultat von Entwässerung und einer Neuordnung des Bindegewebes, nicht von einer Reduktion des Fettes selbst. Man „formt“ also nicht das Fett, sondern optimiert die Struktur und den Flüssigkeitshaushalt des Gewebes, in dem das Fett eingebettet ist.

Welche Cremes verstärken den Effekt einer Zupfmassage am Bauch?

Bei der Zupfmassage am Bauch oder an den Oberschenkeln ist die wichtigste Funktion einer Creme oder eines Öls die Verbesserung der Gleitfähigkeit. Ohne ein geeignetes Medium würde die Haut übermäßig gezerrt, was zu Reizungen und sogar zu Schäden an den feinen Kapillaren führen kann. Teure „Slimming“-Cremes sind daher oft nicht notwendig; ihre Wirkung beruht meist auf Inhaltsstoffen, die vorübergehend die Durchblutung anregen oder die Haut kühlen, was ein Gefühl der Straffung erzeugt. Viel entscheidender ist die mechanische Wirkung der Massage selbst.

Eine Nutzerin in einem großen deutschen Beauty-Forum fasst ihre Erfahrung treffend zusammen:

Nach nur 4-5 Tagen täglicher Anwendung mit Schröpfglas und Öl sind die kleineren Dellen schon fast alle weg, die Haut sieht viel ebenmäßiger aus! Ich verwende ein Basisöl aus der Apotheke mit ein paar Tropfen ätherischem Öl – die Gleitfähigkeit ist das Wichtigste, teure Slimming-Cremes braucht es nicht.

– Anwenderin, Beautyjunkies.de Forum

Um den Effekt der Massage dennoch zu unterstützen, eignen sich Produkte mit Inhaltsstoffen, die die Mikrozirkulation fördern oder das Bindegewebe pflegen. Statt auf Marketing-Versprechen zu setzen, kann man in deutschen Apotheken, Reformhäusern oder Drogerien wie DM und Rossmann gezielt nach wirksamen und preiswerten Optionen suchen. Besonders empfehlenswert sind:

  • Durchblutungsfördernde Salben: Produkte mit Rosmarin oder Arnika regen die Blutzirkulation im Gewebe an und unterstützen so den Abtransport von Stoffwechselprodukten.
  • Präparate zur Gewebestraffung: Extrakte aus Rosskastanie oder Birke sind bekannt für ihre adstringierende und entwässernde Wirkung auf das Bindegewebe.
  • Ätherische Öle: Einige Tropfen Zitronen- oder Grapefruitöl in einem Basis-Mandelöl können den lymphanregenden Effekt der Massage unterstützen und duften zudem erfrischend.

Die wichtigste Regel bleibt: Die beste Creme ist nutzlos ohne die richtige, konsequente Massagetechnik. Die Creme ist lediglich der Helfer, der die mechanische Arbeit erst wirksam und angenehm macht.

Nahtlose Wäsche oder Shapewear: Was trägt man unter einem Seidenkleid, damit sich nichts abzeichnet?

Unter einem fließenden, körpernahen Stoff wie Seide ist die Wahl der Unterwäsche entscheidend, um eine glatte Silhouette zu gewährleisten. Die intuitive Wahl fällt oft auf Shapewear, um kleine Unebenheiten zu kaschieren. Aus lymphologischer Sicht ist hier jedoch Vorsicht geboten. Während Shapewear kurzfristig eine formende Wirkung hat, kann sie bei zu engem Sitz zu einem ernsthaften Problem für den Lymphfluss werden. Zu starke Kompression wirkt wie ein Damm und behindert den Abtransport von Gewebsflüssigkeit, was genau den gegenteiligen Effekt der zuvor beschriebenen Massagen bewirkt: Es kann zu Stauungen und Schwellungen führen.

Diese Warnung wird von höchster Stelle unterstützt. Dr. med. Anya Miller, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Lymphologie, warnt in einer Fachpublikation explizit:

Zu enge Shapewear kann den Lymphfluss massiv behindern und somit die Effekte der zuvor beschriebenen Massagen zunichtemachen.

– Dr. med. Anya Miller, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Lymphologie

Die weitaus bessere Alternative ist hochwertige, nahtlose Wäsche (Seamless) aus Mikrofaser. Diese liegt wie eine zweite Haut am Körper an, ohne einzuschneiden oder Abdrücke zu erzeugen. Das Material ist entscheidend: Baumwolle neigt dazu, sich statisch aufzuladen und an Seide „festzukleben“, was zu unschönem Hochrutschen führt. Mikrofasermischungen gleiten hingegen unter dem Oberstoff. Deutsche Marken wie Mey, Triumph oder Calida, erhältlich in Kaufhäusern wie Galeria oder Breuninger, bieten spezielle Seamless-Kollektionen an, die auf Komfort und Unsichtbarkeit ausgelegt sind, ohne den Körper abzuschnüren.

Für eine perfekte Silhouette unter Seide gilt also: Priorisieren Sie eine glatte Oberfläche durch nahtlose Verarbeitung und ein lymphfreundliches, nicht einschnürendes Design über die starke Kompression von traditioneller Shapewear. Der Körper wird es Ihnen mit einem besseren Wohlbefinden und einem funktionierenden Lymphsystem danken.

Warum führt Glykation (Verzuckerung) zu vorzeitigen Falten und schlaffer Haut?

Während Massagen und Tools von außen auf das Gewebe einwirken, gibt es einen entscheidenden Prozess, der die Hautstruktur von innen heraus sabotiert: die Glykation, umgangssprachlich auch „Verzuckerung“ genannt. Dieser chemische Prozess findet statt, wenn überschüssige Zuckermoleküle im Blutkreislauf sich ohne die Steuerung durch Enzyme an Proteine binden. Die wichtigsten Strukturproteine unserer Haut und unseres Bindegewebes sind Kollagen und Elastin. Werden diese „verzuckert“, entstehen sogenannte „Advanced Glycation Endproducts“ (AGEs).

Diese AGEs sind schädlich, weil sie die Kollagen- und Elastinfasern starr und unbeweglich machen. Man kann es sich wie bei einem Gummiband vorstellen, das mit der Zeit spröde und brüchig wird und seine Elastizität verliert. Genau das passiert mit unserem Bindegewebe. Die einst flexiblen Fasern verhärten und vernetzen sich, was zu sichtbaren Folgen führt: Die Haut verliert an Spannkraft, wird schlaff und es entstehen Falten. Auch die Faszien, die das gesamte Gewebe durchziehen, werden durch Glykation unbeweglicher und spröde, was die Entstehung von Cellulite begünstigt und den Effekt formender Massagen reduziert.

Besonders die typisch deutschen Ernährungsgewohnheiten, wie der häufige Konsum von Backwaren, „Kaffee und Kuchen“ oder zuckerhaltigen Getränken wie Apfelschorle, fördern diese Glykationsprozesse nachhaltig. Indirekt hängt dies auch mit dem Lymphsystem zusammen. Ein hoher Zuckerkonsum kann zu chronischen Entzündungen und Adipositas führen, was wiederum das Lymphsystem stark belastet. Daten aus Deutschland zeigen einen dramatischen Zusammenhang: In einigen Bundesländern stiegen die Hospitalisierungen aufgrund von Lymphödemen mit Adipositas-Diagnose um 86,4%. Eine Reduktion von Zucker und schnell verdaulichen Kohlenhydraten ist somit nicht nur für das Gewicht, sondern auch für die strukturelle Integrität der Haut und die Funktion des Lymphsystems von entscheidender Bedeutung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Ziel ist nicht, Fett zu „zerstören“, sondern eingelagerte Gewebsflüssigkeit durch die Aktivierung des Lymphsystems abzutransportieren.
  • Die Bewegungsrichtung ist entscheidend: Alle Massagen und Bürstungen müssen immer sanft in Richtung Herz bzw. Rumpf erfolgen, um den Lymphfluss zu unterstützen.
  • Innere „Verzuckerung“ durch hohe Zuckeraufnahme verhärtet das Kollagen und sabotiert die Hautstraffung von innen, während zu enge Shapewear den Lymphfluss von außen blockiert.

Warum jucken Schienbeine im Winter und wie stoppen Sie das „Rieseln“ der Haut?

Das Phänomen juckender, schuppiger Schienbeine im Winter, oft als „Winter-Juckreiz“ bezeichnet, ist ein weit verbreitetes Problem, das auf eine Kombination aus physiologischen und umweltbedingten Faktoren zurückzuführen ist. Die Haut an den Schienbeinen besitzt von Natur aus weniger Talgdrüsen als andere Körperregionen. Talg ist unser natürlicher Hautschutzfilm, der die Haut geschmeidig hält und vor Feuchtigkeitsverlust schützt. Im Winter wird diese Situation durch zwei Faktoren verschärft.

Erstens entzieht die trockene Heizungsluft in Innenräumen der Haut zusätzlich Feuchtigkeit. Zweitens führt die ständige Reibung durch Kleidung wie Hosen oder Strumpfhosen zu einer mechanischen Reizung der ohnehin schon trockenen Haut. Das Ergebnis ist eine gestörte Hautbarriere: Die Haut verliert übermäßig viel Feuchtigkeit, wird spröde, beginnt zu spannen, zu jucken und die obersten Hautschüppchen lösen sich sichtbar ab – die Haut „rieselt“.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist eine zweistufige Strategie aus der deutschen Apotheke besonders wirksam:

  • Vorbereitung (vor dem Duschen): Ein sanftes Trockenbürsten der Schienbeine entfernt lose Hautschüppchen und regt die Durchblutung an. Dies bereitet die Haut optimal auf die nachfolgende Pflege vor.
  • Pflege (nach dem Duschen): Unmittelbar nach dem Duschen, wenn die Haut noch leicht feucht ist, sollten reichhaltige Lotionen aufgetragen werden. Besonders wirksam sind Produkte mit einem hohen Anteil an Urea (Harnstoff), da dieser Wirkstoff Feuchtigkeit in der Haut bindet. Bewährte deutsche Marken wie Eucerin oder Sebamed bieten hier spezielle Lotionen an, oft angereichert mit Linolsäure, die die Hautbarriere zusätzlich stärkt.

Diese Pflegeroutine lässt sich ideal mit den Prinzipien der Lymphdrainage kombinieren. Das Bürsten in Richtung Herz fördert nicht nur die Durchblutung, sondern unterstützt auch den Lymphabfluss. Eine gut durchblutete und mit Feuchtigkeit versorgte Haut ist widerstandsfähiger und ein wichtiger Teil einer ganzheitlichen Körperpflege, die über reine Formung hinausgeht.

Wenn Sie Ihre Ergebnisse maximieren und eine auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Anleitung wünschen, ist der nächste logische Schritt die Konsultation eines Spezialisten für Lymphologie oder eines geschulten Physiotherapeuten. Eine professionelle Analyse kann Ihnen helfen, die für Sie effektivsten Techniken zu identifizieren und korrekt anzuwenden.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Körperkonturierung und Lymphe

Kann Shapewear den Effekt der Lymphdrainage beeinträchtigen?

Ja, zu enge Kompression kann den Lymphabfluss blockieren und zu Wassereinlagerungen führen, besonders nach einer Lymphdrainage-Behandlung.

Welche deutschen Marken bieten lymphfreundliche Seamless-Wäsche?

Mey, Triumph und Calida bieten in Kaufhäusern wie Galeria oder Breuninger spezielle Seamless-Kollektionen an, die nicht zu eng sind.

Warum klebt Baumwolle unter Seide?

Baumwolle kann statische Aufladung verursachen und sich an Seide ‚festkleben‘, während Mikrofasermischungen dies verhindern.

Geschrieben von Julia Dr. Kranz, Fachärztin für Dermatologie mit Schwerpunkt auf medizinischer Ästhetik und Wirkstoffkosmetik, seit 10 Jahren in eigener Praxis tätig.