
Die Einteilung in nur vier Hauttypen ist veraltet; entscheidend ist das Verständnis für den dynamischen Zustand Ihrer Haut und ihre spezifischen Signale.
- Trockene Haut hat einen Mangel an Fett (Lipiden), während dehydrierte Haut einen Mangel an Wasser hat – eine Unterscheidung, die völlig unterschiedliche Wirkstoffe erfordert.
- Faktoren wie der Monatszyklus oder der deutsche Winter verändern die Bedürfnisse Ihrer Haut fundamental und erfordern eine flexible, angepasste Pflegeroutine.
Empfehlung: Führen Sie einfache Tests zu Hause durch und lernen Sie, die Signale Ihrer Haut zu deuten, um von einer reaktiven zu einer intelligenten, minimalistischen Pflege zu gelangen.
Stehen Sie auch oft ratlos vor den überfüllten Regalen der Drogeriemärkte? Unzählige Produkte versprechen die perfekte Haut, doch die grundlegende Frage bleibt: Was braucht meine Haut wirklich? Die meisten Ratgeber pressen uns in starre Kategorien wie „trocken“, „fettig“, „Mischhaut“ oder „normal“. Man macht einen schnellen Test, klebt ein Etikett auf die eigene Haut und kauft dann ein Leben lang Produkte für diesen einen „Typ“. In meiner Praxis als Kosmetikerin sehe ich täglich die Folgen dieses Missverständnisses: gereizte, unausgeglichene Haut, die trotz einer 10-Schritte-Routine nicht besser wird.
Das Problem ist, dass diese Kategorien die dynamische Natur unserer Haut völlig ignorieren. Was ist, wenn Ihre „fettige“ Haut in Wahrheit ein Hilfeschrei nach Feuchtigkeit ist? Was, wenn die teure Anti-Aging-Creme Ihre Hautbarriere mehr schädigt als schützt? Die herkömmliche Herangehensweise behandelt Symptome, nicht aber die Ursache. Sie berücksichtigt weder hormonelle Schwankungen noch den Einfluss der Jahreszeiten.
Aber was wäre, wenn der Schlüssel nicht darin liegt, Ihre Haut ein für alle Mal zu definieren, sondern darin, zu lernen, ihre Sprache fließend zu sprechen? Genau das ist der Ansatz dieses Artikels. Wir brechen mit dem starren Konzept des „Hauttyps“ und führen das der „Haut-Dynamik“ und des „Haut-Zustands“ ein. Sie werden lernen, die feinen, aber entscheidenden Unterschiede zu erkennen, die Ihnen Ihre Haut jeden Tag signalisiert.
Dieser Leitfaden ist Ihre Ausbildung zur eigenen Haut-Analystin. Wir entschlüsseln gemeinsam die wahren Bedürfnisse Ihrer Haut, von der fundamentalen Unterscheidung zwischen trocken und dehydriert über die Anpassung Ihrer Pflege an den Monatszyklus bis hin zur perfekten Strategie für den rauen deutschen Winter. Machen Sie sich bereit, Ihre Hautpflege neu zu denken.
Inhaltsverzeichnis: Ihren wahren Hautzustand verstehen
- Was ist der Unterschied zwischen trockener und dehydrierter Haut (und warum das wichtig ist)?
- Wie reduziert man eine 10-Schritte-Routine auf 3 Produkte, ohne Wirksamkeit zu verlieren?
- Niacinamid und Vitamin C: Welche Wirkstoffe darf man nicht zusammen verwenden?
- Wann führt zu viel Pflege zu Ausschlag um den Mund und wie stoppt man das?
- Wann im Monatszyklus braucht die Haut mehr Feuchtigkeit und wann mehr Reinigung?
- Wie führt man einen DIY-Farbtest mit Gold- und Silberfolie in 4 Schritten durch?
- Wie testen Sie mit einem nassen Haar zu Hause, ob Ihnen Proteine oder Feuchtigkeit fehlen?
- Gesichtsöl oder Creme: Was braucht Ihre Hautbarriere im deutschen Winter wirklich?
Was ist der Unterschied zwischen trockener und dehydrierter Haut (und warum das wichtig ist)?
Dies ist die wichtigste Lektion in der Hautpflege und die häufigste Fehlerquelle, die ich in meiner Kabine sehe. Viele Kundinnen glauben, trockene Haut zu haben, und greifen zu reichhaltigen, schweren Cremes, obwohl ihre Haut eigentlich durstig ist. Der Unterschied ist fundamental: Trockene Haut ist ein genetisch bedingter Hauttyp, dem es an Lipiden (Fett) fehlt. Dehydrierte Haut hingegen ist ein vorübergehender Zustand, bei dem es der Haut an Wasser mangelt. Laut Hautpflege-Experten kann dieser Zustand jeden Hauttyp treffen – sogar fettige Haut.
Visuell äußert sich trockene Haut oft durch raue Stellen, Schüppchenbildung und ein permanentes Spannungsgefühl. Dehydrierte Haut hingegen wirkt fahl, zeigt feine Knitterfältchen (besonders wenn man sie leicht zusammenschiebt) und neigt paradoxerweise manchmal zu erhöhter Ölproduktion, um den Feuchtigkeitsverlust zu kompensieren. Diese Unterscheidung ist entscheidend, denn beide Zustände erfordern völlig unterschiedliche Wirkstoffe.

Wie die obige Aufnahme verdeutlicht, ist die Textur der Haut bei beiden Zuständen verschieden. Die Behandlung muss daher gezielt erfolgen. Eine schwere, ölbasiere Creme auf dehydrierter Haut kann die Poren verstopfen, ohne den Durst zu stillen. Umgekehrt hilft ein reines Hyaluronserum bei wahrhaft trockener Haut nur kurzfristig, wenn die schützende Lipidbarriere fehlt, um die Feuchtigkeit einzuschließen. Die folgende Matrix zeigt, welche Wirkstoffe für welchen Zustand unerlässlich sind.
| Hautzustand | Wirkstoffe | Funktion |
|---|---|---|
| Dehydrierte Haut | Hyaluronsäure, Glycerin | Humectants – ziehen Wasser an |
| Trockene Haut | Ceramide, Squalan | Emollients/Occlusives – füllen Lipide auf |
Wie reduziert man eine 10-Schritte-Routine auf 3 Produkte, ohne Wirksamkeit zu verlieren?
Die koreanische 10-Schritte-Routine hat uns gelehrt, auf unsere Haut zu achten, aber sie hat auch zu einer Kultur des „Mehr ist mehr“ geführt, die oft mehr schadet als nützt. Der Trend zum Skinimalismus, der besonders in der deutschen Naturkosmetik-Kultur Anklang findet, besinnt sich auf das Wesentliche: eine minimalistische, aber hochwirksame Routine. Die Reduktion auf drei Kernprodukte ist nicht nur zeitsparend, sondern schont auch die Hautbarriere und den Geldbeutel. Das Geheimnis liegt in der Auswahl multifunktionaler Produkte.
Die Philosophie dahinter ist einfach und effektiv: „Cleanse, Treat, Protect“ (Reinigen, Behandeln, Schützen). Jeder Schritt hat eine klare Aufgabe und wird mit einem sorgfältig ausgewählten Produkt erfüllt, das ohne unnötige Reizstoffe wie hohe Konzentrationen an Alkohol oder ätherischen Ölen auskommt.
- Schritt 1 – Cleanse: Ein milder Reiniger ist die Basis. Er sollte Schmutz und Make-up entfernen, ohne die Haut ihrer natürlichen Fette zu berauben. Achten Sie auf Formulierungen ohne aggressive Tenside (Sulfate). Das Ziel ist eine saubere, aber keine quietschende, also gestresste Haut.
- Schritt 2 – Treat: Hier kommt Ihr Arbeitstier zum Einsatz. Ein multifunktionales Serum kann mehrere Bedürfnisse gleichzeitig abdecken. Ein Serum mit Niacinamid ist hier oft ein Star: Es stärkt die Hautbarriere, mindert Rötungen, verfeinert die Poren und reguliert die Talgproduktion.
- Schritt 3 – Protect: Der wichtigste Schritt, der in Deutschland immer noch zu oft vernachlässigt wird. Ein Breitband-Sonnenschutz mit LSF 50 ist nicht verhandelbar – jeden Tag, das ganze Jahr über, auch bei bewölktem Himmel. Er ist die wirksamste Anti-Aging-Pflege und schützt vor Hautschäden.
Diese minimalistische Herangehensweise zwingt Sie, sich auf das zu konzentrieren, was Ihre Haut wirklich braucht. Anstatt zehn Produkte zu schichten und zu hoffen, dass eines davon wirkt, setzen Sie auf drei hochwirksame, reizarme Helden, die im Einklang mit Ihrer Haut arbeiten. Das ist die Essenz von intelligenter Hautpflege.
Niacinamid und Vitamin C: Welche Wirkstoffe darf man nicht zusammen verwenden?
Sobald die Basisroutine steht, beginnt die spannende Welt der Wirkstoffe. Doch mit großer Kraft kommt große Verantwortung. Die falsche Kombination kann nicht nur die Wirksamkeit der Produkte zunichtemachen, sondern auch zu starken Reizungen führen. Ein hartnäckiger Mythos, der sich hält, betrifft die Kombination von Niacinamid und Vitamin C. Die alte Lehrmeinung besagte, dass diese beiden zusammen eine Reaktion auslösen, die Rötungen verursacht und die Wirkung beider Stoffe neutralisiert. Dies basierte jedoch auf veralteter Chemie mit instabilen Formen von Vitamin C bei hohen Temperaturen.
Heute wissen wir: Moderne, stabilisierte Vitamin-C-Derivate (wie Ascorbyl Glucoside oder Tetrahexyldecyl Ascorbate) können problemlos mit Niacinamid in einer Routine verwendet werden. Die eigentlichen Gefahren lauern woanders. Es geht weniger um spezifische „verbotene“ Paare als um das Verständnis von zwei Prinzipien: pH-Wert-Konflikte und Überreizung.

Wirkstoffe wie L-Ascorbinsäure (die reinste Form von Vitamin C) benötigen einen sehr niedrigen (sauren) pH-Wert, um wirksam zu sein. Andere Wirkstoffe fühlen sich in einem neutraleren Umfeld wohler. Produkte sollten daher idealerweise von niedrigem zu hohem pH-Wert geschichtet werden, mit etwas Wartezeit dazwischen. Viel wichtiger ist jedoch, die Haut nicht zu überfordern. Die Kombination von mehreren starken, aktiven Wirkstoffen in einer einzigen Anwendung ist das größte Risiko. Ein klassisches Beispiel ist die gleichzeitige Anwendung von Retinoiden (Vitamin A) und starken Peelingsäuren (AHA/BHA). Beide fördern die Zellerneuerung und können einzeln fantastisch sein, aber zusammen angewendet, strapazieren sie die Hautbarriere bis zum Äußersten, was zu Rötungen, Abschuppung und Empfindlichkeit führt. Eine clevere Strategie ist das „Skin Cycling“: Man verwendet die Wirkstoffe abwechselnd an verschiedenen Abenden.
Wann führt zu viel Pflege zu Ausschlag um den Mund und wie stoppt man das?
Manchmal ist das Problem nicht zu wenig, sondern zu viel des Guten. Ein klassisches Beispiel dafür ist die periorale Dermatitis, auch „Mundrose“ oder „Stewardessen-Krankheit“ genannt. Dieser entzündliche Hautausschlag mit kleinen roten Pusteln und Knötchen tritt typischerweise um den Mund, an den Nasenflügeln und manchmal auch um die Augen auf. Die paradoxe Ursache ist oft eine Überpflege der Haut – ein Zuviel an reichhaltigen Cremes, häufiges Wechseln von Produkten und aggressive Reinigungsrituale. Schätzungen für Deutschland zeigen, dass etwa 6 % aller Frauen von diesem Zustand betroffen sind, der durch eine gestörte Hautbarriere und ein bakterielles Ungleichgewicht entsteht.
Die Haut wird quasi „erstickt“ und reagiert mit einer Entzündung. Fluoridhaltige Zahnpasta oder die Anwendung von Kortisoncremes im Gesicht können das Problem zusätzlich verschlimmern. Wenn Sie diese Symptome bei sich feststellen, ist der erste und wichtigste Schritt radikal, aber unerlässlich: die Nulltherapie. Das bedeutet, die Haut komplett in Ruhe zu lassen.
Das mag beängstigend klingen, besonders wenn die Haut spannt und gerötet ist, aber es ist der schnellste Weg, die Selbstheilungskräfte der Haut zu reaktivieren. Die Haut muss wieder lernen, sich selbst zu regulieren. Ein strukturierter Plan kann dabei helfen, die Kontrolle zurückzugewinnen und die Hautbarriere nachhaltig zu sanieren.
Ihr Notfallplan bei perioraler Dermatitis
- Woche 1 (Nulltherapie): Waschen Sie Ihr Gesicht ausschließlich mit lauwarmem Wasser. Im Notfall kann ein extrem milder, sulfatfreier Reiniger (ohne Duft- oder Farbstoffe) verwendet werden.
- Woche 1 (Konsequenter Verzicht): Vermeiden Sie absolut jede Form von Cremes, Seren, Make-up und anderen topischen Produkten auf den betroffenen Stellen.
- Woche 2 (Langsame Wiedereinführung): Führen Sie ein einziges, reizfreies Produkt wieder ein. Eine leichte Beruhigungscreme mit Zink oder Panthenol ist oft eine gute Wahl. Beobachten Sie die Reaktion Ihrer Haut genau.
- Dauerhafte Anpassung: Meiden Sie langfristig schwere, okklusive (abdichtende) Cremes und steigen Sie auf eine fluoridfreie Zahnpasta um, um Rückfälle zu vermeiden.
Wann im Monatszyklus braucht die Haut mehr Feuchtigkeit und wann mehr Reinigung?
Einer der stärksten Faktoren, der die Dynamik unserer Haut beeinflusst, kommt von innen: der Monatszyklus. Die schwankenden Hormonspiegel von Östrogen und Progesteron verändern die Hautbeschaffenheit Woche für Woche. Wer lernt, seine Pflege an diese Phasen anzupassen, kann vielen Problemen wie prämenstrualen Pickeln oder Trockenheit gezielt vorbeugen. Anstatt den Zyklus als Feind zu sehen, können wir ihn als Fahrplan für unsere Hautpflege nutzen.
Man kann den Zyklus grob in drei Phasen unterteilen, die jeweils unterschiedliche Hautbedürfnisse mit sich bringen:
- Phase 1: Menstruation (ca. Tag 1-5): Der Östrogen- und Progesteronspiegel ist auf einem Tiefpunkt. Die Haut ist oft trockener, empfindlicher und matter. Jetzt ist nicht die Zeit für aggressive Behandlungen. Der Fokus liegt auf Beruhigung und Barriere-Stärkung mit Wirkstoffen wie Ceramiden, Panthenol und Hyaluronsäure.
- Phase 2: Follikelphase (ca. Tag 6-14): Das Östrogen steigt an, die Kollagenproduktion wird angekurbelt und die Haut sieht oft am besten aus – prall und strahlend. Dies ist die perfekte Zeit für „Glow“-Wirkstoffe wie Vitamin C und sanfte Peelings (z.B. mit Enzymen oder Milchsäure), um die Zellerneuerung zu unterstützen und den Glow zu maximieren.
- Phase 3: Lutealphase (ca. Tag 15-28): Nach dem Eisprung sinkt das Östrogen und das Progesteron dominiert. Dies kurbelt die Talgproduktion an, was die Poren leichter verstopfen lässt und zu den gefürchteten Pickeln vor der Periode führen kann. Jetzt ist der Fokus auf klärende Pflege. Wirkstoffe wie Salicylsäure (BHA) helfen, die Poren von innen zu reinigen. Leichte, nicht-komedogene Feuchtigkeitspflege ist wichtig, um die Haut nicht auszutrocknen.
Die Anpassung der Hautpflege und sogar der Ernährung an den Zyklus ist eine der fortschrittlichsten Methoden, um die Haut im Gleichgewicht zu halten. Die folgende Tabelle gibt eine einfache Übersicht.
| Zyklusphase | Hautbedürfnis | Empfohlene Ernährung |
|---|---|---|
| Menstruation (Tag 1-5) | Beruhigung mit Ceramiden, Panthenol | Leinsamen (entzündungshemmend) |
| Follikelphase (bis Tag 14) | Vitamin C, sanfte Peelings | Antioxidantienreiche Kost |
| Lutealphase (bis Tag 28) | Salicylsäure (BHA) gegen verstopfte Poren | Kürbiskerne (zinkhaltig) |
Wie führt man einen DIY-Farbtest mit Gold- und Silberfolie in 4 Schritten durch?
Das Wissen um den eigenen Hautzustand ist die eine Hälfte der Miete, die andere ist das Verständnis für den eigenen Hautunterton. Er entscheidet darüber, welche Make-up-Farben, Haarfarben und sogar Schmuckstücke uns frisch und strahlend aussehen lassen oder uns fahl und müde wirken lassen. Man unterscheidet zwischen warmen (gelblich/golden), kühlen (bläulich/rosa) und neutralen Untertönen. Ein einfacher, aber effektiver Test, um den eigenen Unterton zu bestimmen, ist der Folientest.
Alles, was Sie dafür brauchen, sind ein Stück Gold- und ein Stück Silberfolie (oder Schmuck in diesen Farben) und gutes Tageslicht. Die Durchführung ist simpel, aber die richtige Umgebung ist entscheidend.
Das gelbliche Kunstlicht in vielen deutschen Wohnungen verfälscht das Ergebnis.
– Hautpflege-Experten, Praktische Erfahrung aus deutschen Haushalten
Führen Sie den Test daher immer bei indirektem Tageslicht durch, zum Beispiel vor einem Fenster, das nicht direkt von der Sonne beschienen wird. Ihre Haut sollte komplett ungeschminkt und sauber sein. Folgen Sie dann diesen vier Schritten:
- Schritt 1: Vorbereitung: Stellen Sie sich bei Tageslicht vor einen Spiegel. Ihre Haut muss sauber und frei von Make-up sein. Warten Sie nach der Reinigung etwa 15 Minuten, damit eventuelle Rötungen abklingen können.
- Schritt 2: Der Gold-Test: Halten Sie die Goldfolie neben Ihr Gesicht. Beobachten Sie genau: Lässt das Gold Ihre Haut leuchten, sie gesund und frisch aussehen? Oder betont es eher Unregelmäßigkeiten und lässt Ihren Teint fahl erscheinen?
- Schritt 3: Der Silber-Test: Wiederholen Sie den Vorgang mit der Silberfolie. Bringt das Silber Ihre Haut zum Strahlen und Ihre Augen zum Leuchten? Oder wirkt die Haut daneben gräulich und ausgewaschen?
- Schritt 4: Die Auswertung: Wenn Gold Sie strahlen lässt, haben Sie einen warmen Unterton. Wenn Silber Ihnen schmeichelt, haben Sie einen kühlen Unterton. Wenn beides gut aussieht, haben Sie wahrscheinlich einen neutralen Unterton. Als zusätzlicher Test kann hier Roségold dienen, das neutralen Typen oft besonders gut steht.
Wie testen Sie mit einem nassen Haar zu Hause, ob Ihnen Proteine oder Feuchtigkeit fehlen?
Ähnlich wie unsere Haut kommunizieren auch unsere Haare ihre Bedürfnisse – wir müssen nur lernen, zuzuhören. Die häufigste Verwirrung herrscht zwischen dem Bedürfnis nach Feuchtigkeit und dem nach Proteinen. Zu viel des einen kann genauso schädlich sein wie zu wenig des anderen. Frizziges, trockenes Haar braucht nicht automatisch eine schwere Protein-Kur. Manchmal ist es einfach nur durstig. Ein einfacher Elastizitätstest an einem nassen Haar gibt schnell Aufschluss.
Proteine (wie Keratin) sind die Bausteine des Haares und geben ihm Struktur und Stärke. Feuchtigkeit (Wasser) sorgt für Elastizität, Geschmeidigkeit und Glanz. Ein gesundes Haar hat eine gute Balance aus beidem. Ist diese Balance gestört, zeigt sich das im Dehnungsverhalten des Haares. Der Test ist denkbar einfach:
- Durchführung: Nehmen Sie nach dem Waschen ein einzelnes, nasses Haar. Halten Sie es zwischen Daumen und Zeigefinger beider Hände und ziehen Sie es sanft und langsam auseinander.
- Ergebnis 1: Das Haar reißt sofort, ohne sich nennenswert zu dehnen. Dies ist ein klares Zeichen für Proteinmangel. Dem Haar fehlt die innere Struktur und Stärke.
- Ergebnis 2: Das Haar dehnt sich extrem, fühlt sich fast wie ein Gummiband an und zieht sich nicht mehr in seine ursprüngliche Form zurück. Dies deutet auf Feuchtigkeitsmangel (oder einen Protein-Überschuss) hin. Dem Haar fehlt die stützende Proteinstruktur.
- Ergebnis 3: Das Haar dehnt sich leicht (um etwa 30 %) und federt dann unbeschadet in seine Ausgangslänge zurück. Herzlichen Glückwunsch, Ihre Haarbalance ist ausgeglichen.
Besonders bei feinem Haar ist Vorsicht geboten. Eine übermäßige Zufuhr von Proteinen kann das Haar starr, hart und brüchig machen – ein Phänomen, das als „Protein-Overload“ bekannt ist.
Der in Mitteleuropa verbreitete feine Haartyp neigt dazu, durch zu viele Proteinkuren steif und brüchig zu werden. Die Regel lautet: ‚Immer zuerst Feuchtigkeit, dann bei Bedarf Protein‘.
– NIVEA
Das Wichtigste in Kürze
- Ihr „Hauttyp“ ist kein statisches Label, sondern ein dynamischer Zustand, der von inneren (Hormone) und äußeren (Jahreszeiten) Faktoren beeinflusst wird.
- Die Unterscheidung zwischen feuchtigkeitsarmer (dehydrierter) und fettarmer (trockener) Haut ist fundamental für die Wahl der richtigen Wirkstoffe (Hyaluron vs. Ceramide).
- Eine minimalistische Routine aus Reinigung, einem multifunktionalen Serum und täglichem LSF 50 ist oft wirksamer und schonender als eine 10-Schritte-Routine.
Gesichtsöl oder Creme: Was braucht Ihre Hautbarriere im deutschen Winter wirklich?
Der Winter in Deutschland ist eine besondere Herausforderung für unsere Haut. Kalte Luft draußen, trockene Heizungsluft drinnen – dieser ständige Wechsel entzieht der Haut massiv Feuchtigkeit. Der sogenannte transepidermale Wasserverlust (TEWL) steigt dramatisch an. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass die Haut rund 30 % Wasser für eine optimale Funktion benötigt; ein Wert, der im Winter oft rapide sinkt. Die Hautbarriere wird geschwächt, was zu Rötungen, Spannungsgefühlen und Trockenheit führt. In dieser Zeit stellt sich oft die Frage: Ist ein Gesichtsöl oder eine reichhaltige Creme die bessere Wahl?

Die Antwort lautet: Es ist keine Entweder-oder-Frage. Beide haben ihre Berechtigung, aber sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Eine Creme ist eine Emulsion aus Wasser und Öl. Sie liefert der Haut beides: Feuchtigkeit (durch ihre Wasserphase) und Lipide (durch ihre Ölphase), um die Hautbarriere zu reparieren. Wirkstoffe wie Ceramide, Sheabutter und Glycerin sind hier ideal. Ein Gesichtsöl hingegen ist rein lipidbasiert. Es liefert keine eigene Feuchtigkeit, ist aber ein Meister darin, die vorhandene Feuchtigkeit in der Haut einzuschließen (Okklusion). Es wirkt wie ein schützender Mantel.
Die intelligenteste Strategie für den Winter ist daher nicht, sich für eines zu entscheiden, sondern beide clever zu kombinieren. Die „Sandwich-Methode“ hat sich hier als besonders wirksam erwiesen, um die Hautbarriere optimal zu schützen und die Haut den ganzen Tag über hydriert und geschmeidig zu halten.
- Basis (Feuchtigkeit): Beginnen Sie auf dem noch leicht feuchten Gesicht nach der Reinigung oder tragen Sie einen feuchtigkeitsspendenden Toner oder ein Thermalwasserspray auf.
- Füllung (Hydratation & Reparatur): Tragen Sie nun Ihr Hyaluronserum und/oder Ihre normale Barrierecreme auf. Diese Schicht spendet aktiv Feuchtigkeit und liefert reparierende Inhaltsstoffe.
- Deckel (Versiegelung): Geben Sie zum Abschluss ein paar Tropfen eines hochwertigen, nicht-komedogenen Gesichtsöls (z.B. Squalan, Jojoba- oder Hagebuttenöl) in Ihre Hände, erwärmen Sie es und drücken Sie es sanft auf die Haut. Dieses Öl versiegelt die Feuchtigkeit und schützt vor der trockenen Umgebungsluft.
Häufig gestellte Fragen zu Wirkstoffen in der Hautpflege
Kann man Niacinamid und Vitamin C zusammen verwenden?
Ja, moderne stabilisierte Vitamin-C-Derivate wie Ascorbyl Glucoside können problemlos mit Niacinamid kombiniert werden. Der alte Ratschlag basiert auf veralteter Chemie.
Welche Kombinationen sollte man wirklich meiden?
Benzoylperoxid und Vitamin C (führt zur Oxidation), oder Retinoide und starke AHA/BHA-Säuren in derselben Anwendung (Überreizung). Es ist besser, diese Wirkstoffe alternierend an verschiedenen Abenden zu verwenden.
Warum ist der pH-Wert wichtig?
Der pH-Wert bestimmt die Wirksamkeit von Wirkstoffen wie L-Ascorbinsäure. Produkte sollten von niedrigem zu hohem pH-Wert geschichtet werden, um die Wirksamkeit jedes einzelnen Produkts zu maximieren.