Veröffentlicht am Februar 15, 2024

Entgegen der Annahme ist nicht eine „reichhaltigere“ Creme die Lösung für Winterhaut, sondern das Verständnis der spezifischen Angriffe auf Ihre Hautbarriere.

  • Unter 8 °C stellt die Haut die Talgproduktion ein, wodurch ihr natürlicher Schutzfilm fehlt.
  • Feuchtigkeitsgele können bei Minusgraden auf der Haut gefrieren und zu dauerhaften Äderchen führen.

Empfehlung: Ersetzen Sie wasserbasierte Gele durch Lipid-reiche Wasser-in-Öl-Emulsionen (Cold Creams) und versiegeln Sie die Hautpflege immer mit einem Öl oder Balsam als letzte Schicht.

Der erste kalte Wind, die trockene Heizungsluft – und plötzlich spannt die Haut, brennt und schuppt, obwohl Sie dieselbe bewährte Creme wie immer verwenden. Viele greifen dann instinktiv zu noch reichhaltigeren, dickeren Cremes in der Hoffnung, das Problem zu „erschlagen“. Man hört Ratschläge wie „viel trinken“ oder „die Haut gut eincremen“. Doch was, wenn diese gut gemeinten Tipps am Kern des Problems vorbeigehen?

Als Dermatologin sehe ich jeden Winter dieselben Frustrationen: Pflegeprodukte, die gestern noch perfekt waren, scheinen heute zu versagen. Die Wahrheit ist: Ihre Haut kämpft im Winter an einer völlig anderen Front. Es geht nicht nur um fehlende Feuchtigkeit, sondern um einen systematischen Angriff auf ihre Schutzschicht, die Hautbarriere-Integrität. Die ständigen Wechsel zwischen eisiger Kälte draußen und trockener Wärme drinnen, kombiniert mit falschen Pflegetechniken, führen zu einem regelrechten Zusammenbruch dieses Schutzschilds.

Aber was, wenn die wahre Lösung nicht darin liegt, einfach nur *mehr* Produkt aufzutragen, sondern die *richtigen* Produkte in der *richtigen* Reihenfolge zu verwenden, basierend auf dem physikalischen und biochemischen Stress, dem Ihre Haut ausgesetzt ist? Es geht darum, zu verstehen, warum Ihre Haut wirklich leidet. Dieser Artikel führt Sie durch die wissenschaftlichen Hintergründe von Winterhaut und gibt Ihnen eine präzise, dermatologische Strategie an die Hand – nicht nur für Ihr Gesicht, sondern für den Schutz Ihres gesamten Körpers vor den Tücken der kalten Jahreszeit.

In den folgenden Abschnitten entschlüsseln wir die häufigsten Fehler in der Winterpflege und zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie eine widerstandsfähige Routine aufbauen. Wir werden die genaue Reihenfolge der Produktanwendung klären, die verborgenen Gefahren von Wasser und die besten Wirkstoffe für diese anspruchsvolle Zeit beleuchten.

Warum brennt Ihre Haut im Winter bei gewohnter Creme und was fehlt ihr wirklich?

Das brennende Gefühl, wenn Sie Ihre übliche Feuchtigkeitscreme im Winter auftragen, ist ein klares Alarmsignal Ihrer Haut. Es bedeutet, dass Ihre Hautbarriere, der sogenannte Lipidfilm, durchlässig geworden ist. Dieser Schutzfilm besteht aus Fetten (Lipiden) wie Ceramiden, Cholesterin und Fettsäuren und verhindert, dass Feuchtigkeit verdunstet (transepidermaler Wasserverlust) und Reizstoffe eindringen. Im Winter wird diese Barriere doppelt angegriffen: Die Kälte verlangsamt die natürliche Lipidproduktion der Haut und die trockene Heizungsluft entzieht ihr permanent Feuchtigkeit. Das typisch deutsche „Stoßlüften“ verstärkt diesen Effekt durch den abrupten Wechsel von trockener Wärme zu eisiger Kälte.

Darstellung des Kontrasts zwischen trockener Heizungsluft und kalter Außenluft beim deutschen Stoßlüften im Winter

Wenn diese Barriere Lücken aufweist, können Inhaltsstoffe Ihrer Creme, die sonst harmlos sind, plötzlich in tiefere Hautschichten gelangen und dort eine Entzündungsreaktion auslösen – die Haut brennt. Ihrer Haut fehlt es also nicht an irgendeiner Creme, sondern gezielt an den Bausteinen zur Reparatur ihrer Schutzmauer. Laut einer S2k-Leitlinie zur Behandlung von gestörten Hautbarrieren, wie sie bei Neurodermitis vorkommt, ist die Zufuhr von Ceramiden oder Phospholipiden aus Pflanzenölen essenziell. Eine Studie an Neurodermitis-Patienten bestätigte die Wirksamkeit von Pflegeprodukten mit Ceramiden und Lipidkomplexen aus Sheabutter zur Wiederherstellung der Barrierefunktion.

Suchen Sie im Winter daher gezielt nach Cremes, die explizit Inhaltsstoffe wie Ceramide, Sheabutter oder Squalan enthalten, um die Lücken in Ihrem Lipidfilm aktiv aufzufüllen, anstatt nur eine oberflächliche Fettschicht aufzutragen.

In welcher Reihenfolge trägt man Serum, Öl und Creme auf, damit sie wirken?

Die Wirksamkeit Ihrer Hautpflege hängt nicht nur von den Inhaltsstoffen ab, sondern maßgeblich von der Reihenfolge der Anwendung. Eine falsche Schichtung kann dazu führen, dass wertvolle Wirkstoffe die Haut gar nicht erst erreichen oder ihre Wirkung verpufft. Die Grundregel der Dermatologie ist einfach: von der leichtesten zur schwersten Textur oder, anders gesagt, von wasserbasiert zu ölbasiert. Wasser und Öl stoßen sich ab. Tragen Sie zuerst ein Öl auf, können wasserbasierte Seren nicht mehr in die Haut eindringen.

Die korrekte Reihenfolge für maximale Wirkung im Winter ist daher:

  1. Reinigung: Ein milder, pH-neutraler Reiniger ist die Basis für alles Weitere.
  2. Wässriges Serum (z. B. Hyaluronsäure): Seren haben die kleinsten Moleküle und transportieren Wirkstoffe tief in die Haut. Hyaluronsäure bindet Wasser in der Haut und polstert sie von innen auf. Es wird immer auf die noch leicht feuchte Haut aufgetragen, um die vorhandene Feuchtigkeit einzuschließen.
  3. Creme (Feuchtigkeitscreme/Lipidcreme): Die Creme hat größere Moleküle und bildet eine erste Schutzschicht. Sie versorgt die Haut mit weiteren Lipiden und Feuchtigkeit und schließt die Wirkstoffe des Serums ein.
  4. Gesichtsöl oder Balsam: Öl hat die größten Moleküle. Es ist der perfekte „Deckel“ für Ihre Routine. Es bildet eine okklusive Schicht, die verhindert, dass die zuvor zugeführte Feuchtigkeit über den Tag verdunstet. Es versiegelt alles und schützt die Haut vor dem kalten Wind.

Ein besonders effektiver Trick für trockene Haut ist die Anreicherung Ihrer Tages- oder Nachtcreme. Falls Sie Ihre Übergangscreme weiterverwenden möchten, geben Sie einfach 1-2 Tropfen eines nährenden Öls (wie Hagebutten- oder Mandelöl) in der Handfläche zur Creme hinzu und mischen beides frisch vor dem Auftragen. So passen Sie die Reichhaltigkeit Ihrer Pflege tagesaktuell an die Bedürfnisse Ihrer Haut an.

Indem Sie diese Reihenfolge einhalten, stellen Sie sicher, dass jeder Wirkstoff seine Aufgabe optimal erfüllen kann und Ihre Haut den ganzen Tag über hydriert und geschützt bleibt.

Warum führt die Nutzung von Feuchtigkeitsgel bei Minusgraden zu Kälteschäden auf der Haut?

Leichte Feuchtigkeitsgele sind im Sommer eine Wohltat, doch bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt werden sie zur Gefahr für Ihre Haut. Der Grund liegt in ihrer Zusammensetzung: Gele sind meist Öl-in-Wasser-Emulsionen mit einem sehr hohen Wasseranteil. Dieses Wasser auf der Hautoberfläche verhält sich bei Minusgraden wie eine Pfütze auf der Straße: Es gefriert. Diese feinen Eiskristalle auf der Haut verursachen mikroskopisch kleine Verletzungen und führen zu einem Phänomen, das als Kälteschaden bekannt ist.

Das Problem wird durch einen physiologischen Mechanismus verschärft: Wie die Dermatologin Dr. Yael Adler erklärt, stellen die Talgdrüsen ihre Produktion bereits unter 8 Grad Celsius komplett ein. Ihrer Haut fehlt somit der natürliche, schützende Fettfilm, der sie vor der Kälte isolieren würde. Wenn Sie nun ein wasserreiches Gel auftragen, setzen Sie Ihre ungeschützte Haut direkt der Gefahr des Gefrierens aus. Die Folgen sind nicht nur unangenehme Rötungen und Spannungsgefühle.

Hautexperten warnen vor Pflegeprodukten mit hohem Wasseranteil bei Minusgraden. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kann das Wasser auf der Haut gefrieren, was zu Rötungen durch dauerhaft erweiterte Äderchen führt – eine Behandlung erfordert kostspielige Laserbehandlungen.

Für Outdoor-Aktivitäten im deutschen Winter, wie Radfahren oder Skifahren, sind solche Produkte absolut tabu. Stattdessen sollten Sie auf Wasser-in-Öl-Emulsionen (W/O) umsteigen. Bei diesen Formulierungen sind die Wasserpartikel in einer schützenden Ölphase eingeschlossen. Sie erkennen sie an ihrer reichhaltigeren, festeren Konsistenz. Suchen Sie gezielt nach Produkten wie „Cold Creams“, „Wind- und Wetterbalsamen“ oder Kälteschutzcremes, die oft Inhaltsstoffe wie Lanolin (Wollwachs) enthalten und eine physische Barriere gegen die Kälte bilden.

Denken Sie daran: Im Winter ist Fett Ihr Freund. Es ist die Rüstung Ihrer Haut gegen die feindliche Kälte.

Warum heißes Wasser beim Gesichtwaschen die Haut noch mehr austrocknet

Eine heiße Dusche nach einem kalten Wintertag fühlt sich zwar wohltuend an, ist für Ihre Haut jedoch purer Stress. Heißes Wasser wirkt wie ein starkes Lösungsmittel auf den wertvollen Lipidfilm Ihrer Haut. Es löst die Fette, die Ihre Hautbarriere zusammenhalten, und spült sie buchstäblich den Abfluss hinunter. Das Ergebnis ist eine sofortige Schwächung der Barriere, was zu einem rasanten Anstieg des transepidermalen Wasserverlusts (TEWL) führt – Ihre Haut trocknet von innen heraus aus.

In vielen Regionen Deutschlands kommt ein weiteres Problem hinzu: hartes, kalkhaltiges Wasser. Heißes Wasser erhöht die Löslichkeit von Kalk, der sich dann beim Trocknen als unsichtbarer, aber reizender Film auf der Haut ablagert. Diese Mineralablagerungen können den pH-Wert der Haut stören, Poren verstopfen und die Trockenheit weiter verschlimmern. Der Effekt ist ein thermischer und chemischer Doppelschlag gegen Ihre bereits geschwächte Hautbarriere.

Mikroskopische Darstellung von Kalkablagerungen auf der Hautoberfläche bei heißem Wasser

Auch die deutsche Saunakultur, so gesund sie für den Kreislauf ist, kann die Haut belasten. Die Barmer-Expertin rät daher Saunagängern und allen anderen, lange und heiße Duschen zu meiden. Die dermatologische Empfehlung lautet: Waschen Sie Gesicht und Körper mit lauwarmem Wasser. Die ideale Temperatur liegt bei unter 36 Grad Celsius. Verwenden Sie zudem Duschöle anstelle von stark schäumenden Duschgelen. Diese reinigen die Haut, ohne sie zu entfetten, und hinterlassen bereits eine pflegende Schicht. Nach dem Waschen die Haut nur sanft trockentupfen und sofort – solange sie noch leicht feucht ist – eine lipidreiche Körperlotion auftragen, um die Feuchtigkeit einzuschließen.

Dieser simple Schritt kann den Zustand Ihrer Winterhaut dramatisch verbessern und ist die Grundlage jeder erfolgreichen Pflegeroutine in der kalten Jahreszeit.

Wann ist der beste Zeitpunkt für Retinol: Sommer oder Winter?

Retinol (Vitamin A) ist ein Goldstandard in der Anti-Aging-Pflege, da es die Zellerneuerung anregt und die Kollagenproduktion steigert. Doch es hat eine bekannte Nebenwirkung: Es macht die Haut lichtempfindlicher und kann anfangs zu Trockenheit und Irritationen führen. Dies wirft die Frage auf, ob der Winter mit seiner geringeren Sonnenintensität der ideale Zeitpunkt für eine Retinol-Kur ist. Die Antwort lautet: Ja, aber mit Bedacht.

Der Winter bietet den Vorteil, dass die tägliche, allgemeine UV-Belastung geringer ist als im Sommer. Dies reduziert das Risiko von sonnenbedingten Reizungen, während sich die Haut an den Wirkstoff gewöhnt. Allerdings ist die Annahme, im Winter gäbe es keine gefährliche UV-Strahlung, ein Trugschluss, besonders in Deutschland. Während die UVB-Strahlen (verantwortlich für Sonnenbrand) abnehmen, bleibt die UVA-Strahlung (verantwortlich für Hautalterung) relativ konstant und dringt tief in die Haut ein. Eucerin-Experten warnen zudem, dass in den Bergen die UV-Strahlung pro 1000 Höhenmeter um bis zu 20 % intensiver ist. Schnee reflektiert bis zu 80 % der UV-Strahlen, was die Belastung zusätzlich erhöht. Ein Skiurlaub in den Alpen ohne Sonnenschutz ist daher für Retinol-Anwender besonders riskant.

Um Retinol im Winter sicher anzuwenden und die austrocknende Wirkung zu minimieren, hat sich die „Retinol-Sandwich-Methode“ bewährt:

  • Schritt 1 (Brot unten): Tragen Sie nach der Reinigung zuerst eine dünne Schicht eines feuchtigkeitsspendenden Produkts auf, idealerweise ein Serum mit Hyaluronsäure oder Glycerin.
  • Schritt 2 (Belag): Warten Sie einige Minuten und tragen Sie dann Ihr Retinol-Produkt auf.
  • Schritt 3 (Brot oben): Warten Sie erneut einige Minuten und versiegeln Sie alles mit einer reichhaltigen, beruhigenden Nachtcreme, die Ceramide oder Niacinamid enthält.

Diese Methode puffert die Wirkung des Retinols ab und schützt die Hautbarriere. Und denken Sie daran: Tägliches Auftragen von Breitband-Sonnenschutz (LSF 30 oder höher) ist auch im Winter bei der Verwendung von Retinol eine absolute, nicht verhandelbare Pflicht.

So können Sie die Vorteile des Winters für Ihre Hauterneuerung nutzen, ohne Kompromisse bei der Gesundheit Ihrer Haut einzugehen.

Merinowolle oder Alpaka: Welche Wolle kratzt nicht und hält im deutschen Winter wärmer?

Der Schutz vor Kälte hört nicht bei der Hautpflege auf. Die Wahl der richtigen Kleidung ist ebenso entscheidend, um die Haut vor Reizungen zu bewahren und den Körper warm zu halten. Wolle ist ein Klassiker, doch viele Menschen mit empfindlicher Haut meiden sie, weil sie kratzt. Der Übeltäter ist hierbei der Durchmesser der Wollfaser, gemessen in Mikron. Herkömmliche Schurwolle hat oft eine Faserstärke von über 25 Mikron, deren grobe Schuppen die Haut mechanisch reizen. Hier kommen Merinowolle und Alpakawolle ins Spiel.

Merinowolle stammt vom Merinoschaf und ist für ihre feinen Fasern bekannt, die typischerweise zwischen 16,5 und 24 Mikron dick sind. Ab einer Feinheit von unter 20 Mikron wird Wolle von den meisten Menschen als nicht kratzend empfunden. Merinowolle ist zudem atmungsaktiv und kann bis zu einem Drittel ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen – ideal, um Schwitzen bei Aktivitäten zu vermeiden.

Alpakawolle geht noch einen Schritt weiter. Ihre Fasern sind nicht nur fein (oft zwischen 18 und 23 Mikron), sondern auch innen hohl. Diese Hohlräume speichern die Körperwärme extrem effizient, was Alpakawolle bei gleichem Gewicht zu einem besseren Isolator als Merinowolle macht. Zudem hat die Alpakafaser eine glattere Oberflächenstruktur mit weniger abstehenden Schuppen und enthält fast kein Lanolin (Wollfett), was sie besonders für Allergiker und sehr empfindliche Haut zur idealen Wahl macht. Sie ist sozusagen die hypoallergene Luxusversion der Wolle.

Für den deutschen Markt ist beim Kauf von Wollprodukten das Achten auf Siegel wie den Responsible Wool Standard (RWS) empfehlenswert. Dieser Standard, der auch von großen deutschen Händlern wie Globetrotter geführt wird, garantiert eine tiergerechte Haltung und nachhaltige Bewirtschaftung der Farmen. So stellen Sie sicher, dass Ihr kuscheliger Pullover nicht nur gut für Ihre Haut, sondern auch für die Umwelt und das Tierwohl ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Für sportliche Aktivitäten ist Merinowolle eine exzellente Wahl. Wer maximale Wärme und Weichheit für den Alltag sucht und zu Hautirritationen neigt, für den ist Alpakawolle die überlegene Option.

Warum schädigt zu heißes Wasser die Schuppenschicht fast so sehr wie ein Glätteisen?

Ähnlich wie die Haut besitzt auch unser Haar eine schützende Außenschicht, die sogenannte Schuppenschicht oder Cuticula. Sie besteht aus flachen, übereinanderliegenden Zellen, die wie Tannenzapfen angeordnet sind. Bei gesundem Haar liegt diese Schicht glatt an, reflektiert das Licht und schließt Feuchtigkeit im Haarinneren ein. Heißes Wasser wirkt auf diese Schicht wie ein Dampfstoß: Es lässt die Schuppen aufquellen und abstehen. Das Haar wird dadurch rau, porös und verliert an Glanz.

Eine aufgeraute Schuppenschicht ist nicht nur ein ästhetisches Problem. Sie macht das Haar anfällig für mechanische Schäden wie Haarbruch und Spliss. Zudem können sich, genau wie auf der Haut, bei hartem Wasser Kalkablagerungen in den aufgestellten Schuppen festsetzen. Das Haar wird dadurch stumpf, schwer und lässt sich schlecht frisieren. Langfristig kann dieser Effekt die Haarstruktur fast so nachhaltig schädigen wie die regelmäßige Verwendung eines heißen Glätteisens, da das Haar permanent Feuchtigkeit verliert und brüchig wird.

Die Lösung ist auch hier, die Temperatur zu senken und die Haarwäsche mit lauwarmem Wasser durchzuführen. Ein besonders wirksamer Trick, um die Schuppenschicht nach der Wäsche wieder zu schließen und Kalkablagerungen zu neutralisieren, ist die Anwendung einer „Sauren Rinse“.

Ihr Aktionsplan: Saure Rinse gegen Kalk und stumpfes Haar

  1. Mischen Sie 1 Esslöffel Bio-Apfelessig (oder Zitronensaft) mit 1 Liter kühlem bis lauwarmem Wasser in einer Flasche oder einem Krug.
  2. Waschen Sie Ihre Haare wie gewohnt mit einem milden Shampoo und spülen Sie es gründlich aus.
  3. Gießen Sie die vorbereitete saure Rinse langsam und gleichmäßig über die gesamte Kopfhaut und die Haarlängen als letzten Spülgang.
  4. Spülen Sie die Rinse nicht aus! Massieren Sie die Flüssigkeit sanft ein. Der leichte Essiggeruch verfliegt vollständig, sobald die Haare trocken sind.
  5. Wenden Sie die saure Rinse 1-2 Mal pro Woche an, um den pH-Wert von Haar und Kopfhaut zu regulieren und für sofortigen Glanz zu sorgen.

Durch diese kleine Anpassung Ihrer Routine geben Sie Ihrem Haar seinen natürlichen Schutz und Glanz zurück, ohne auf teure Produkte angewiesen zu sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Hautbarriere bricht im Winter zusammen, weil die Talgproduktion unter 8 °C stoppt und trockene Heizungsluft Feuchtigkeit entzieht.
  • Die richtige Pflegereihenfolge ist entscheidend: Immer von wässrigen Produkten (Serum) zu öligen Produkten (Creme, Öl) schichten.
  • Heißes Wasser zerstört den Lipidfilm von Haut und Haar. Lauwarmes Wasser und saure Rinsen sind die bessere Alternative.

Wie schützt man die Haut vor Feinstaub in der Großstadt und Blaulicht vom Bildschirm?

Die Haut im Winter wird nicht nur durch Kälte und Trockenheit gestresst. Moderne Lebensbedingungen, besonders in deutschen Großstädten, fügen zwei weitere unsichtbare Feinde hinzu: Feinstaub und Blaulicht. Feinstaubpartikel sind so klein, dass sie tief in die Poren eindringen und dort oxidativen Stress auslösen können – ein Prozess, der die Zellalterung beschleunigt und Entzündungen fördert. Eine oft übersehene Quelle ist dabei die heimische Gemütlichkeit: Wie das Umweltbundesamt dokumentiert, verursachen Holzöfen in den Wintermonaten einen signifikanten Anteil der städtischen Feinstaubbelastung.

Gleichzeitig verbringen wir im Winter mehr Zeit drinnen vor Bildschirmen. Das von ihnen ausgestrahlte hochenergetische sichtbare Licht (HEV-Licht oder Blaulicht) kann ebenfalls oxidativen Stress in der Haut erzeugen und zur Entstehung von Pigmentflecken beitragen. Das Phänomen des „Screen Face“, also der vorzeitigen Hautalterung durch exzessive Bildschirmzeit, ist eine reale dermatologische Sorge im Zeitalter des Home-Office.

Der Schutz vor diesen Aggressoren erfordert eine Doppelstrategie: die Neutralisierung freier Radikale und die Stärkung der physischen Barriere. Ihre morgendliche Routine sollte daher wie ein urbaner Schutzschild aufgebaut sein:

  1. Antioxidatives Serum: Nach der sanften Reinigung ist ein Serum mit potenten Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E oder Ferulasäure unerlässlich. Diese Wirkstoffe wirken als „Radikalfänger“ und neutralisieren die schädlichen Moleküle, bevor sie Schaden anrichten können.
  2. Lipidreiche Tagescreme: Eine gute Wintertagescreme wirkt nicht nur pflegend, sondern auch als physische Barriere, die das Eindringen von Feinstaubpartikeln erschwert.
  3. Mineralischer Sonnenschutz: Dies ist der wichtigste und letzte Schritt. Ein mineralischer Sonnenschutz (LSF 30 oder höher) mit Zinkoxid oder Titandioxid wirkt wie ein Spiegel auf der Haut. Er reflektiert nicht nur die UV-Strahlung, sondern bietet auch den besten Schutz gegen Feinstaub und Blaulicht, indem er eine undurchdringliche Schutzschicht bildet.

Indem Sie Ihre Hautpflege als ein umfassendes Schutzsystem begreifen, das sowohl gegen Kälte als auch gegen moderne Umweltbelastungen wappnet, geben Sie Ihrer Haut die beste Chance, gesund und strahlend durch den Winter zu kommen. Passen Sie Ihre Routine heute noch an, um Ihre Haut nachhaltig zu schützen.

Geschrieben von Julia Dr. Kranz, Fachärztin für Dermatologie mit Schwerpunkt auf medizinischer Ästhetik und Wirkstoffkosmetik, seit 10 Jahren in eigener Praxis tätig.